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Fachbeitrag: Kellerlichtschächte und Kelleraußentreppen entwässern!

erschienen am 7/24/2012

Die Lichtschächte und Lichtgräben an den Fenstern im Kellergeschoss dienen der Belüftung und der Belichtung der im Untergeschoss vorhandenen Räumlichkeiten. Die Lichtschächte sind in der Regel aus Kunststoff oder Beton, werden nach Erstellung des Kellers montiert und sind in den meisten Fällen mit einem Gitterrost abgedeckt. Die Fenster im Keller sind - neben ihrer wichtigen Funktion als Belichtungs- und Lüftungsöffnung – ein Schwachpunkt der Kellerkonstruktion. Durch sie können bei heftigen Niederschlägen Wasser und Schlamm in die Kellerräume eindringen und zu unerfreulichen und teuren Wasserschäden führen. Die Lichtschächte und Lichtgräben fungieren dabei als vorgelagerte „Zisternen“ oder Retentionsräume in denen sich das Niederschlagswasser sammeln und aufstauen kann. Es staut sich auf bis es die Höhe der Fensterbrüstung überschritten hat, unter Umständen (wenn die Fenster luftdicht eingebaut wurden) auch deutlich höher, aber irgendwann kann die Fuge Fenster /Kelleraußenwand oder das Fenster selbst dem Staudruck des Wassers nicht mehr standhalten und das Wasser dringt in den Keller ein.

Dies kann vermieden werden, durch:

  • Einbau wasserdichter Kellerfenster
  • Geregelte Entwässerung der Lichtschächte mit Rückstausicherung
  • Gestaltung der Außenanlagen
  • Einbau druckwasserdichter Kellerfenster: Es gibt einige Hersteller druckwasserdichter Kellerfenster mit unterschiedlichen Belastungsstufen (Höhe Wasserspiegel über der Fensterbrüstung). Dabei handelt es sich um spezielle Fenster, die mit großer handwerklicher Sorgfalt eingebaut werden müssen. Dies hat natürlich seinen Preis.

Geregelte Entwässerung der Lichtschächte:

Unterhalb der Lichtschächte sollte ein ausreichend bemessener Retentionsraum (Rückstauraum) aus wasserdurchlässigem Material vorgesehen werden. Dies kann z.B. durch Einbau von Rollkies oder Wandkies unterhalb des Lichtschachts erfolgen. Sofern der umgebende Baugrund ausreichend wasserdurchlässig ist und kein aufstauendes Sickerwasser oder Grundwasser vorhanden ist, könnte diese Maßnahme ausreichend sein. Ist, z.B. bei Hangsituationen mit aufstauendem Sickerwasser ggf. sogar mit Schichtenwasser zu rechnen, reicht die Maßnahme nicht mehr aus. Die Lichtschächte müssen eine geregelte Entwässerung erhalten.

Ein unmittelbarer Anschluss an die Grundstücksentwässerung kommt aus meiner Sicht aus mehreren Gründen nicht in Betracht. 1. Durch einen direkten Anschluss wird eine unmittelbare Verbindung zum rückstaugefährdeten Kanalsystem der Kommune geschaffen. Das Risiko für den Eintritt einer niederschlags-bedingten Überschwemmung des Untergeschosses steigt deutlich an. 2. Bei Anbindung an eine häufig noch anzutreffende Mischwasserkanalisation (Schmutzwasser und Regenwasser werden in einer Kanalröhre abgeführt) kommt es zu Eintritt von übelriechenden Kanalgasen in die Lichtschächte und bei geöffnetem Fenstern auch in die angrenzenden Kellerräume. Es ist ungeachtet dessen durchaus sinnvoll Lichtschächte, Lichtgräben und auch die Entwässerung der außenliegenden Kellertreppe an das Kanalnetz anzuschließen. Aber bitte nur mit Rückstausicherung! Die Rückstausicherungen können mechanisch sein (regelmäßige Wartung erforderlich), Z.B. in Form von in die Grundleitung eingebauten Doppelrückstauverschlüssen oder über eine Hebeanlage erfolgen. Aus den Erfordernissen der regelmäßigen Wartung und der damit einhergehenden Notwendigkeit die Rückstausicherung zugänglich zu machen (Schachtbauwerk), bevorzuge ich persönlich die Variante mit einer Hebeanlage, die ausschließlich der Entwässerung der Lichtschächte und, wenn vorhanden, auch des Kelleraußeneingangs dient.

Wenn das Regenwasser auf dem Grundstück versickert werden soll, ein mittlerweile immer häufiger werdender Lösungsansatz in kommunalen Abwassersatzungen, steigt das Risiko, dass sich das Regenwasser im verfüllten Arbeitsraum der Baugrube ansammelt (aufstaut). Dort versickert es allmählich, oder baugrundabhängig auch nicht. Das Wasser nimmt den Weg des geringsten Widerstandes und der Durchflusswiderstand der Baugrubenverfüllung ist im Normalfall sehr viel geringer als der des gewachsenen Bodens, daher sammelt es sich in der Baugrube. In so einem Fall sollte eine geregelte Lichtschachtentwässerung durchaus in Betracht gezogen werden. Gesicherte Erkenntnisse über die Versickerungsfähigkeit des Baugrundes, über das Auftreten von Hangwasser oder temporär aufstauendem Sickerwasser kann nur ein Baugrundgutachten liefern.

Gestaltung der Außenanlagen:

Durch entsprechende Gestaltung der Außenanlagen resp. der Profilierung der Geländeoberfläche kann das Risiko von Sturzfluten, die sich von oben in die Lichtschächte ergießen, deutlich verringert werden. Dazu gehören: Gefälle der Gartenanlage auf allen Hausseiten weg vom Haus, d.h. die Außenkante des Hauses bilden die Scheitellinien des Geländes. Wasser fließt den Berg hinunter nicht hinauf. Bei Hanglagen kann das auf der Bergseite durchaus schwierig werden, ist aber wegen des oberflächlich ablaufenden Wassers auf der Hangseite unabdingbar. Der Einbau von Entwässerungsrinnen am Fuß der Böschungsabschnitte könnte ein Lösungsansatz sein. Bei Lichtgräben und Lichthöfen ist das Gelände so zu profilieren, dass das oberflächlich ablaufende Wasser großräumig um die Trichter herumgeführt wird. Setzungen, die sich auch bei sorgfältiger Verdichtung der Arbeitsraumverfüllung unvermeidbar in den ersten Jahren nach Baufertigstellung einstellen, sind zu korrigieren, so dass die Scheitellinie der Außenanlagen immer am Gebäude liegen Die Oberkante der Lichtschächte sollte einige Zentimeter über das umgebende Gelände herausstehen. Wenn die herausstehenden Lichtschachtoberteile als störend empfunden werden lässt sich das durch entsprechendes Anarbeiten der Pflaster und Rasenflächen kaschieren. Die Geländeprofilierung ist eine ergänzende Maßnahme und sollte immer durchgeführt werden.

Fazit:

Ich empfehle, sich schon zu Beginn der Planungsphase mit der Frage der Lichtschachtentwässerung bzw. Sicherung der Kellerfenster gegen eindringendes Niederschlagswasser zu befassen und die notwendigen Maßnahmen von Beginn an vorzusehen. Die gesicherte Planungsgrundlage dafür bietet ein vorliegendes Baugrundgutachten. Die Frage der späteren Geländeprofilierung ist ein Punkt der in diese Überlegungen frühzeitig miteinfließen sollte. Diese muss ohnehin erfolgen und stellt somit die preisneutrale Komponente in der Betrachtung dar. Ist eine Regenwasserversickerung auf dem Grundstück in der Abwassersatzung vorgeschrieben, der Baugrund dafür aber ungeeignet (Baugrundgutachten), versuchen Sie eine Ausnahmegenehmigung zu erwirken. Sickerwasser kann nicht lesen, dem ist es egal, was in Abwassersatzungen steht. Prüfen und warten Sie die Einrichtungen Ihrer Grundstücksentwässerung regelmäßig und weisen Sie Vermieter und Hausverwaltungen auf mögliche Pfützenbildung in Hausnähe hin. Dringt Wasser im Verlauf eines normalen Niederschlagsereignisses in den Keller ein wurden an irgendeiner Stelle im Verlauf der Planung oder Bauausführung Fehler bzw. Versäumnisse begangen. Die Suche nach dem (den) Schuldigen und die Bewertung der Schuldanteilsfrage vor Gericht unter Einschaltung von Rechtsanwälten und Sachverständigen ist definitiv immer sehr viel teurer, als die richtigen im Vorfeld getroffene baulichen Maßnahmen. Auch diese richtigen Maßnahmen können bei außergewöhnlich heftigen Niederschlägen an ihre Leistungsgrenzen kommen. Durch sinnvolle Kombination von mehreren Maßnahmen, z.B. Geländeprofilierung + Lichtschachtentwässerung + aufstausichere Kellerfenster können auch solche elementaren Unwetter zumeist schadlos überstanden werden. I

Ich wünsche Ihnen stets regensichere Keller und verlässliche Baupartner.

Für Fragen, und Anregungen – auch gerne Themenvorschläge – nutzen Sie bitte das Kontaktformular meiner Homepage Bauberatung Bernau.

Bernau im Juli 2012

Dipl.-Ing. (FH) Marc Ellinger, Sachverständiger für Schäden an Gebäuden

Urheber der Bilder:

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