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Bild Betonsicht

Sichtbeton – ein Baustoff, der sich nicht verstecken muss

erschienen am 3/2/2015

Unter Sichtbeton versteht man laut DIN 18217 „Betonoberflächen und Schalhaut“, deren Ansichtsflächen gestalterische Funktionen übernehmen. Sichtbeton gewinnt immer mehr an Bedeutung. Früher wurde er vor allem in Verwaltungsgebäuden eingesetzt – heute hat er sich auch im Wohnungsbau durchgesetzt. Der Grund ist, dass die Gestaltungsmöglichkeiten solcher Flächen enorm vielfältig sind. Sie richten sich immer nach der konstruktiven als auch ausführungstechnischen Detailplanung für das jeweilige Objekt.

Sichtbeton und seine Klassen

Das Merkblatt „Sichtbeton“ des Deutschen Beton- und Bautechnik-Vereins teilt die Sichtbeton-Oberflächen in vier Klassen ein. Dabei genügt die Klasse SB 1 den niedrigsten und SB 4 besonders hohen gestalterischen Anforderungen. Sichtbeton mit der Nummer 4 kommt vor allem für repräsentative Bauteile im Hochbau zum Einsatz. Für Fassaden bzw. Wohnräume wie das Wohnzimmer können Sie auch SB 3 einsetzen – Sichtbeton der Klasse 2 ist ausreichend für zum Beispiel Treppenhäuser.

Schalhaut sorgt für Gestaltungsspielraum

Am wichtigsten beim Sichtbeton ist die sogenannte Schalhaut – sie sorgt für die besondere optische Wirkung der Betonoberfläche. Je nachdem, welche Schalung Sie verwenden, entstehen andere Effekte. Saugende Schalungen entziehen dem Beton zum Beispiel Wasser und Luft, wodurch die so entstandenen Betonflächen eine geringere Porigkeit aufweisen und dadurch dunkler wirken. Heller sieht die nicht saugende Schalhaut aus – sie besitzt außerdem eine hohe Ebenheit.

Andere Einflussfaktoren für die Gestaltung

Doch noch andere Faktoren haben Einfluss auf das Aussehen des Sichtbetons. Setzen Sie je nach Ihren Ansprüchen eine weiße oder graue Zementart ein oder wählen Sie aus einer umfangreichen Palette an Farbpigmenten. Hydrophobierende Imprägnierungen, farbige Lasuren und Beschichtungen bringen zudem Farbe ins Spiel.

Auch die Oberflächenbehandlung ist entscheidend – so bewirken Sie durch

  • Polieren
  • Schleifen
  • Waschen
  • Strahlen

jeweils andere Effekte. Zuschläge wie Quarzkies oder Rheinkies machen den Sichtbeton ebenfalls zum Eyecatcher.

Sichtbetonmängel und ihre Ursachen

So viele Möglichkeiten der Gestaltung Sichtbeton bietet, so mängelanfällig ist die Verarbeitung des Baustoffs. Manchmal entstehen ungewollt hell-dunkle Oberflächen – das liegt an der Fehleinschätzung der unterschiedlichen Saugfähigkeit des Schalungsmaterials. Sogenannte „Betonwarzen“ sind Betonüberschüsse mit zu geringer Eigenfeuchte, die nach dem Ausschalen an Schalungsstoßkanten zu sehen sind. Um diese zu beseitigen, müssen Sie die Wand nach dem Aushärten betonkosmetisch behandeln.

Sichtbeton als Baustoff – biophysikalische Eigenschaften

Doch Sichtbeton punktet nicht nur durch die angesagte Optik. Er ist auch

frostbeständig
schlagregendicht
standsicher

und hat eine niedrige Brandlast. Das heißt, dass er keinen Rauch bildet, den Brand nicht weiterleitet und keine toxischen Gase freisetzt.

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