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Bild Wandfeuchte

Feuchtes Mauerwerk sanieren: Ursachen und Gegenmaßnahmen

erschienen am 05.01.2016

Feuchtes Mauerwerk ist der Albtraum jedes Hausbesitzers. Verantwortlich dafür sind in den meisten Fällen falsche Planung, äußere Einflüsse oder eine mangelhafte Ausführung des Baus. Im Folgenden lesen Sie, wie es zu einem feuchten Mauerwerk kommt, woran Sie es erkennen – und vor allem, welche Maßnahmen zur Mauerwerksanierung in Frage kommen. 

Anzeichen für ein feuchtes Mauerwerk

Feuchtigkeit im Mauerwerk macht sich durch unterschiedliche Anzeichen bemerkbar; dazu zählen unter anderem

  • Schimmelbildung
  • Salzkristallausblühungen
  • Schäden an Anstrich, Tapezierungen und Putz.

Deutlich seltener treten Salpeterausblühungen auf: Diese entstehen durch die Oxidation organischer Substanzen wie z.B. Harn oder Exkrementen – deshalb sind sie vorwiegend in ehemals landwirtschaftlich genutzten Gebäuden zu beobachten.

So entstehen Feuchteschäden in der Außenwand

Zu den Hauptursachen feuchter Wände zählt salzbelastetes Mauerwerk; in vielen Fällen ist auch ein negatives Gefälle verantwortlich, das Niederschlagswasser zur Außenwand leitet – die Folge ist eine dauerhafte Durchfeuchtung. Auch

  • defekte Rohre
  • undichte Dächer (insbesondere bei Flachdächern)
  • Risse in den Mauern
  • Schlagregen
  • aufsteigende Feuchtigkeit aus dem Fundament
  • schadhafte Abdichtungen bzw. fehlende Isolierungen
  • Wärmebrücken an den Gebäudeecken

können zu Feuchtigkeitsschäden an der Bausubstanz führen – die Liste an Ursachen ist lang; entsprechend schwierig ist es, ihnen auf den Grund zu gehen. Zudem sind nicht immer Baumängel für Feuchteschäden verantwortlich: Auch ungenügendes bzw. falsches Lüften oder Heizen kann zur Feuchtigkeitsbildung führen.

Fassadendämmung als Ursache von feuchtem Mauerwerk

Nicht selten sind schlecht ausgeführte Wärmedämm-Verbundsysteme (WDVS) für die Feuchtigkeitsbildung verantwortlich. Sind die Wände nach der Anbringung der Fassadendämmung plötzlich feucht, weist dies auf Tauwasserbildung an einer Innenwand hin. Diese geht in der Regel mit großflächiger Schimmelpilzbildung einher und erfordert sofortiges Handeln, um noch größere Schäden zu verhindern.

Möglichkeiten der Mauerwerksanierung

Eine ausführliche Analyse des Bauzustands ist zwingende Voraussetzung jeder Sanierungsmaßnahme – nur so erkennen Sie die tatsächlichen Ursachen und können diese gezielt beseitigen. Zu dieser Bauzustandsanalyse gehört auch die Entnahme von Bohrproben am Mauerwerk, anhand derer Wasser- und Salzgehalt bestimmt werden. Auf dieser Grundlage entscheidet der Fachberater, welche Art der Mauerwerksanierung nötig und sinnvoll ist. Je nach Art und Schweregrad der Schädigung kommen zum Trockenlegen unterschiedliche Verfahren in Betracht – von der einfachen Anbringung von Sanierputz bis hin zur Komplettsanierung.

Einfachste Möglichkeit: Sanierputz anbringen

Das Auftragen von Sanierputz ist die einfachste und am wenigsten aufwändige Methode, um feuchtigkeitsbelastetes Mauerwerk zu sanieren. Man verwendet hierfür spezielle, diffusionsoffene Sanierputzsysteme: Sie reduzieren die bauschädliche Wirkung von Salzen – allerdings wirkt dieses Vorgehen nur bei geringer Feuchtigkeits- und Salzbelastung. Hierzu tragen Sie den schadhaften Putz zunächst ab und bringen den Sanierputz auf die betroffenen Wandstellen auf. Gleichzeitig müssen Sie die betroffenen Räume mechanisch entlüften, um die Feuchtigkeit nach draußen abzutransportieren. Übrigens: Eine ökologische Alternative zum Sanierputz ist konventioneller Kalkputz. Allerdings müssen Sie die Putzschichten gegebenenfalls erneuern, sobald die Mauern trockengelegt sind. 

Aufwändig, aber nachhaltig: Vertikalabdichtung

Bei stark durchfeuchtetem Mauerwerk kommen Sie um eine vertikale Mauerwerksanierung nicht herum. Es handelt sich dabei um eine Abdichtung der vertikalen Mauerteile, die sich im Erdreich befinden, um weiteres Eindringen von Feuchtigkeit zu unterbinden. Das nachträgliche Abdichten ist sehr aufwändig, weil hierzu die Außenmauern bis zur Fundamentsohle freigelegt müssen. Nach der Reinigung der Mauern erfolgt das Abdichten mit geeigneten Beschichtungssystemen von außen (z.B. durch Bitumendickbeschichtungen und speziellen Wassersperrputz). Unter bestimmten Voraussetzungen ist auch eine Außenabdichtung ohne Aufgraben möglich; hierbei kommen unterschiedliche Vorgehensweisen zum Einsatz. Ob diese für Ihre Kellersanierung anwendbar sind, hängt jedoch von mehreren Faktoren ab und ist im Einzelfall zu entscheiden.

Mechanische Sperre: Horizontalabdichtung

Bei der Horizontalsperre unterscheidet man zwei Verfahren: Beim ersten, dem sogenannten „Chromstahlblechverfahren“ wird eine mechanische Horizontalsperre bzw. Abdichtungsschicht aus

  • Edelstahlblech
  • Kunststoffplatten
  • Folien

über den gesamten Mauerwerksquerschnitt eingebracht; sie verhindert den Anstieg des Wassers, gleichzeitig setzt die Trocknung oberhalb der Horizontalsperre umgehend ein. Beim Mauersägeverfahren wiederum werden Dichtungsbahnen (z.B. bitumenkaschierte Folie oder Metallfolie) in die Fuge des Mauerwerks eingelegt, das jeweils in Abschnitten von einem Meter aufgeschnitten wird. Aufwand und Kosten sind bei beiden Vorgehensweisen vergleichsweise hoch, unter bestimmten statischen Verhältnissen (z.B. bei Häusern in Hanglage) ist diese Art der horizontalen Abdichtung zudem nicht möglich. 

Chemische Sperre: Injektionsverfahren

Auch dieses Verfahren zählt zu den horizontalen Abdichtungen. Dabei wird in ein Raster von Bohrlöchern eine Injektionscreme ins Mauerwerk eingebracht. Diese alkalische Injektionscreme (meist auf Basis von Wachs, Silikon oder Epoxydharz) verschließt die Poren, hydrophobiert die Mauer und verhindert so den kapillaren Wassertransport. In vielen Fällen ist diese Art der Sanierung das Mittel der Wahl, weil der Aufwand vergleichsweise gering ist und von einem geschickten Heimwerker unter Anleitung selbst durchgeführt werden kann. 

Feuchtigkeitsschäden vorbeugen

Damit es gar nicht erst zur Feuchtigkeitsschäden an der Bausubstanz kommt, ist die Anbringung von Sperrputz auf das trockene Mauerwerk eine gute Vorbeugungsmaßnahme – oftmals sind nämlich fehlende Abdichtungen verantwortlich, wenn eine Kellersanierung notwendig wird. Der beste Bautenschutz setzt bereits beim Neubau des Hauses an – und die Investition in einen Abdichtungsschutz an den Außenwänden, eine „schwarze“ oder „weiße“ Wanne macht sich langfristig bezahlt.

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