Neues aus der Welt des Bauens und Wohnens
Haus trocken legen

Zeit zum (Aus-) Trocknen

erschienen am 12/22/2011

Bauen ohne Wasser geht nicht, auch im an sich trockenen Holzbau werden Ausbaumaterialien eingesetzt, die allein durch die Zugabe von Wasser verarbeitungsfähig werden. Im Beton- und Mauerwerksbau ist dies natürlich in noch viel größerem Maße der Fall. Ein Teil des Zugabewassers reagiert mit den mineralischen Bestandteilen und führt zur gewünschten Verfestigung und Erhärtung der Baustoffe. Das verbleibende Restwasser wird über einen längeren Zeitraum (mehrere Monate bis Jahre) an die unmittelbare Umgebung, angrenzende trockenere Baustoffe oder die an Raumluft abgegeben.

Dieses Austrocknen der Baustoffe begleitet den Wohnungsbau der Menschheit von Beginn an. Damals wie heute braucht es dazu Zeit, Temperaturerhöhung und Lüftung. Das gehobene Bürgertum des 18. und 19. Jh. ließ die Häuser über die Zeitspanne eines Winters von wohnsitzlosen Familien trockenwohnen. Zielsetzung dieser ethisch fragwürdigen Strategie war es die Häuser in verhältnismäßig kurzer Zeit zu trocknen. Die undichten Fenster der guten alten Zeit stellten den zur Entfeuchtung notwendigen Luftwechsel sicher. Die niedrigen Außentemperaturen im Winter begünstigten den Feuchtetransport durch die Außenbauteile und die Fensterspalte. Heutzutage werden Häuser in atemberaubend kurzen Zeitspannen quasi aus dem Boden gestampft und den Nutzern zum (Trocken-)Wohnen überlassen. Die kurzen Bau-Zeitspannen nehmen auf die unabdingbar notwendigen Austrocknungszeiten keinerlei Rücksicht mehr. Somit wird der Erstbezieher zum Trockenwohner und muss sich mit den sich daraus ergebenden Zwängen im Hinblick auf Heizen, Lüften und Möblieren auseinandersetzen.

Heizen

Nasse Bauteile dämmen schlechter als trockene Bauteile, daher ist in den ersten Jahren die Wärmedämmung gemauerter oder betonierter Außenwände schlechter als in späteren Jahren. Somit ist auch der Heizenergiebedarf höher. Heizen trägt auch in den Sommermonaten zu einer besseren Austrocknung der Bauteile bei.

Lüften

Die Baufeuchte, die im Zuge der Austrocknung des Bauwerks an die Raumluft abgegeben wird, kann nur durch Lüften abgeführt werden. Lüften hat in den kalten Jahreszeiten einen höheren Wirkungsgrad als in den warmen und feuchten Sommermonaten. Früher war es üblich ein Haus über den Winter „auswintern“ zu lassen. Diese Ruhephase, die die Feuchtesituation der Häuser im Normalfall erheblich verbesserte, findet heute aus Kosten und Zeitgründen i. d. R. nicht mehr statt. Also muss der Feuchteabtransport durch regelmäßiges und richtiges Lüften sichergestellt werden. Dies ist nicht einfach, schon aus Zeitgründen.

Möblierung

Damit die Bauteile über ihre raumseitigen Oberflächen abtrocknen können, muss sich die daran angrenzende Luftschicht unbehindert austauschen können. Dies ist nur dann möglich, wenn die Möblierung mit ausreichendem Wandabstand (min. 5 cm) erfolgt. Dies kann zu nicht unerheblichen Einschränkungen in der Nutzung führen. Ist kein ausreichender Wandabstand vorhanden, nehmen die Möbelstücke und ihr Inhalt (Kleider, Bücher, Akten)einen Teil der Feuchtigkeit auf und fangen nach kurzer Zeit an zu schimmeln. Bautrocknung als Alternative? Es gibt mittlerweile ausgereifte Technologien und ein umfassendes Regelwerk, das die technische Trocknung von Bauwerken nach Überschwemmungen oder Wasserschäden ermöglicht. Bei Wasserschäden oder nach Überschwemmungen liegt Wasser in großen Mengen vor und vagabundiert durch die Bauteilaufbauten. Durch das mechanische Trocknen wird dieses „freie“ Wasser aus den Bauteilschichten herausgezogen. Baufeuchte ist gerade kein Wasserschaden. Das Wasser sitzt in den Kernbereichen der Außenbauteile und wandert durch den Porenraum über lange Zeit zu den Bauteiloberflächen hin. Dort wird sie an die Raumluft abgegeben, sie verdunstet. Eine Bautrocknung im üblichen Sinne führt zu einem schnellen Entzug der Feuchtigkeit in den oberflächennahen Bauteilschichten. Dies trockenen damit tatsächlich. Aber die Feuchtigkeit in den tieferen Bauteilschichten ist nach wie vor da, da die Transportmechanismen dieser schnellen „Zwangstrocknung“ nicht folgen können.

Es kommt häufig zu Rissbildungen in den Bauteiloberflächen. Eine schonende, auf die Bauteilaufbauten (Materialien)abgestimmte Trocknung ist technisch möglich. Sie dauert erheblich länger und kostet aufgrund dessen (Mietkosten der Geräte) erheblich mehr. Eine Weiterführung der Ausbauarbeiten oder gar eine wohnähnliche Nutzung während der Trocknungsphase ist nicht möglich. Die Energiekosten und die Kosten für die regelmäßige Gerätewartung (Entleeren der Auffangbehälter) und die Kontrollen(Monitoring des Trocknungszustandes, Kontrollmessungen der Feuchte über die Bauteilquerschnitte) sind hoch. Fazit: Ein trockenes Haus, eine trockene Wohnung gibt es nicht zum Nulltarif. Sie als Bauherren entscheiden darüber, wann die Kosten anfallen und wofür. Für ausreichend bemessene Austrocknungszeiten sind es die Bauzeitzinsen und evtl. Mietkosten. Darüber hinaus erhöhter Heizenergiebedarf nach Bezug bis zur endgültigen Durchtrocknung der Außenbauteile. Bei Bautrocknung fallen Kosten für Gerätemiete und Betreuung sowie Energiekosten für den Geräteeinsatz an. Auch in diesem Fall ist mit erhöhtem Heizenergiebedarf nach Bezug bis zur endgültigen Durchtrocknung der Außenbauteile zu rechnen. Beim Trockenwohnen durch Erstbezug sind es erhebliche Nutzungseinschränkungen und erheblich erhöhte Heizenergiekosten, die hinzunehmen sind. Dazu kommt ein deutlich erhöhtes Risiko für Schimmelpilzwachstum.

Realisiert sich dieses Risiko, wird es richtig teuer!

 

Bei Fragen können Sie mich gerne über das Kontaktformular meiner Homepage www.bauberatungbernau.de erreichen.

 

Ihr Dipl.-Ing. (FH) Marc Ellinger 

 

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