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Selbst- und luftreinigende Fassaden

Selbst- und luftreinigende Fassaden

erschienen am 10/7/2011

Die Fassade ist sozusagen die Visitenkarte eines Hauses. kein Wunder also, dass Bauherren darauf bedacht sind, dass dieses Aushängeschild möglichst lange recht schmuck und sauber aussieht. Eine spezielle Oberflächenveredlung soll nun dafür sorgen, dass man Gebäudefassaden 20 Jahre lang nicht streichen muss und Glasflächen und Fliesen jahrelang ohne Gebäudereiniger sauber bleiben. Entwickelt wurde das Ganze durch Hydrotect von TOTO. Das Verfahren basiert auf dem Prinzip der Photokatalyse. Es handelt es sich um eine funktionale Oberflächenveredelung, die sich auf alle glatten Oberflächen wie Beton, Glas, Keramik oder Kunststoff aufbringen lässt.

Das Prinzip besteht in der Superhydrophilie durch Photokatalyse, die von den japanischen Entwicklungsingenieuren entdeckt und weiterentwickelt wurde. Dabei wird die Lichtempfindlichkeit von Titandioxid genutzt, das als winzige Partikel in die Deckschicht eingebettet wird. Fällt auf die Partikel Sonnenlicht, wird aus der Umgebungsluft Sauerstoff chemisch aktiviert, der wiederum organische Stoffe und andere Schadstoffe zersetzt. Dabei wird die Oberfläche selbst nicht angegriffen.

Das führt zu einem Selbstreinigungseffekt, bei dem Wassertropfen an der beschichteten Oberfläche zu einem hauchdünnen Wasserfilm zerfließen, der Staub und Schmutzpartikel bindet. Außerdem sollen im Gegensatz zum sogenannten Lotuseffekt (Hydrophobie) auch ölige Substanzen keine unerwünschten Schmutzränder auf mit Hydrotect behandelten Außenflächen hinterlassen. Erfahrungen und Witterungstests sollen inzwischen belegen, dass mit Hydrotect behandelte Gebäudefassaden rund 20 Jahre lang sauber bleiben.

Außerdem wandelt die Photokatalyse Schadstoffe aus der Luft wie Stickoxide in harmlose Reaktionsprodukte wie Kohlendioxid, Wasser und Nitrate um. Wissenschaftliche Studien würden laut den Entwicklern des Verfahrens belegen, dass ein mit Hydrotect veredeltes Einfamilienhaus mit einer Außenfläche von 150 Quadratmetern genau so viel Luft wie 1.000 Quadratmeter Waldfläche reinigt. Und 1.000 Quadratmeter Hydrotect-Fassadenfläche würden die Luft so wirksam wie 70 mittelgroße Laubbäume reinigen. Man bezeichnet diese Art der Luftreinigung als Grünes Bauen. Damit werden unter anderem Industrie- und Autoabgase reduziert.

Darüber hinaus wird mit dem Verfahren auch eine biozide Wirkung erzielt. Soll heißen: Der während der Photokatalyse aktivierte Sauerstoff kann an der Oberfläche anhaftende Algen, Moose und Mikroben zersetzen. Laut Hydrotect soll sich der antibakterielle Effekt stets wieder von neuem aufbauen. Dagegen beruht die Wirkung bei herkömmlichen Methoden auf der Beimischung bestimmter Zusätze, die mit der Zeit verbraucht werden.

Das Veredelungsverfahren kann an Gebäuden aller Größenordnungen eingesetzt werden. TOTO vertreibt die Hydrotect-Materialien in Europa in Form eines kompletten Oberflächenbeschichtungssystems. Das lässt sich von Fachleuten auf alle glatten Oberflächen auftragen. Dabei wird erst einmal eine Grundierung auf die gereinigte Oberfläche aufgetragen. Danach folgt die Farbschicht mit einer Dicke 40 bis 50 µm. Beide Schichten werden mit einer Rolle oder Spray appliziert. Eine darauf folgende Klarbeschichtung sorgt für den photokatalytischen Effekt . Sie ist 0,3 bis 1 µm dick und wird mit einem Spray aufgetragen. Die photokatalytische Schicht besteht aus organischen und anorganischen Komponenten, damit sie dauerhaft auf der Farbschicht haftet. Das Bindemittel zwischen den beiden Schichten wurde ebenfalls von TOTO entwickelt.

Neben Fassadenbeschichtungen gibt es auch bereits Industriekunden wie die Deutsche Steinzeug Breuer & Cremer AG Hydrotect, , die ihre Wandfliesen bereits seit zehn Jahren für mit Hydrotect veredeln. Die Beschichtung wird dabei bei hoher Temperatur inline eingebrannt, so dass sie sich fest mit der Oberfläche der Keramik verbindet. Angedacht ist der Einsatz des Verfahrens auch in der Farben-, Aluminium- und Betonherstellung.

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