Was tun bei Baumängeln
Neues aus der Welt des Bauens und Wohnens
Baumängel sorgen für Kopfschmerzen und Geldverlust

Die Sache mit den Baumängeln

erschienen am 28.02.2012

Wasserschaden, mangelhafte Außenabdichtung, Risse in der Wand, zerkratzte Fenster, all das sind Beispiele von Baumängeln, welche zu einem Albtraum für jeden Bauherren werden können. In der Regel jede Person, welche schon einmal gebaut hat, kann von derartigen Problemen während und nach der Bauphase berichten. Baumängel sind vielseitig, ärgerlich, zeitraubend und sehr häufig vermeidbar. Für einen Bauherren ist es somit wichtig, immer davon Kenntnis zu haben, welche Rechte und Möglichkeiten er hat, um diesen Ärgernissen am Besten zu begegnen.

Baumängel vermeiden beginnt bereits vor dem Bau

 Der erste Schritt zur Vermeidung von Baumängeln beginnt schon vor Baubeginn, nämlich mit der Bauausschreibung. Je detaillierter diese gestaltet ist, desto eher lässt sich ein Pfusch am Bau belegen. Dazu gehört neben genauen Bauplänen auch eine Vorgabe von Baumaterialien. Auch die Anweisung sorgfältigen Arbeitens samt dem Vermerk von Vertragsstrafen bei Zuwiderhandeln sind wichtige Passagen. Diese detaillierten Ausschreibungstexte helfen auch gleichzeitig, die Spreu vom Weizen zu trennen. Fachbetriebe, welche auf handwerkliche Qualität sehr viel Wert legen, sehen dadurch einen Wettbewerbsvorteil für sich. Ein weiterer Punkt zur Baumängelvermeidung stellt die regelmäßige Kontrolle dar. ‚Wissen ist gut, Kontrolle ist besser‘, sagt schon der Volksmund. Zwischenabnahme und Baukontrollen sind effektive Mittel, um Problemen bereits im Vorfeld zu begegnen. Dabei sollte bei jedem Gewerk, egal wie unbedeutend es erscheint, eine professionelle Abnahme erfolgen. Einerseits ist dies durch den Bauherren selber möglich, sofern man über die entsprechende Fachkenntnisse auch verfügt.

Professionellen Beistand bieten Planungs- und Architektenbüros, aber auch Bausachverständige. Eine kostengünstigere Variante ist die Handwerker-kontrolliert-Handwerker-Methode. Dabei wird das einzelne Gewerk vom darauffolgenden Gewerkshandwerker kontrolliert. Beispielsweise kann der Fliesen- oder Bodenleger vor Beginn der Arbeit die Estricharbeiten begutachten. Auch den zuständigen Kaminkehrer kann man beauftragen, die Heizung oder die Kaminbauarbeiten abzunehmen. Der Vorteil dieser Methode: Extrakorrekturarbeiten werden reduziert und Zwischenabnahmen kostengünstig vorgenommen.

Was tun bei Baumängeln?

 Stellt man einen Mangel fest, so muss man dem Handwerksunternehmen die Möglichkeit einräumen, Korrekturmaßnahmen bis zu einem bestimmten Termin vorzunehmen. In dieser Mängelanzeige sollte der Bauherr den Mangel genau beschreiben und ausdrücklich die Beseitigung einfordern. Insgesamt hat das Handwerksunternehmen zweimal die Möglichkeit der Nacherfüllung. Dabei müssen anfallende Kosten nach § 635 Abs. 2 BGB wie Anfahrt, Transport, Material vom Unternehmen getragen werden. Sind Nachbesserungen nicht möglich, so steht dem Bauherren das Recht zu, vom Unternehmen zu verlangen, die Arbeit nochmals neu durchzuführen. Verweigert der Handwerksbetrieb die Korrekturmaßnahmen oder ist die Nacherfüllung wieder fehlgeschlagen, so kann der Bauherr nach § 636 des BGB Schadensersatz verlangen. Entsprechend bereits geleistete Zahlungen müssten vom Unternehmen in Gänze oder anteilig zurückerstattet werden. Um auch nicht auf den Kosten zu lange sitzen zu bleiben, ist es angebracht, jeweils ca. 10% Prüfsicherheit einzubehalten. Dies empfiehlt sich auch bei Teilabschlagszahlungen. Grundsätzlich sollte man, sofern es sich vermeiden lässt, nie Vorkasse leisten. Im Falle von Baumängeln erhöhen noch ausstehende Geldforderungen den Druck auf den Handwerksbetrieb für Nachkorrekturen.

Doch nicht alle Mängel sind gleich unmittelbar nach der Fertigstellung erkennbar. Einige Gewerke zeigen erst nach Jahren Baupfusch auf. Um eine Gewährleistung von mindestens 5 Jahren auf einzelne Gewerke zu haben, sollte man deshalb in den Ausschreibungen auf die Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen und auf § 634a des BGB hinweisen. Ein Schlüssel bei der Baumängelbeanstandung stellt die Dokumentation dar. Im Zeitalter der Digitalkameras und Fotohandys können dabei Bilder den Schaden oder den Mangel festhalten. Auch sollten Mängelanzeigen und Vereinbarungen nur in Schriftform erfolgen, da mündliche Absprachen vor Gericht nicht beweiskräftig sind. Baumängel sind zeitraubende und überflüssige Ärgernisse, jedoch stehen dem Bauherren eine Vielzahl von Möglichkeiten zur Verfügung, diese zu minimieren und auch geltend zu machen.

Bild: Comstock Images, photos.com

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