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Beruhigung nach Zinsanstieg

erschienen am 6/4/2015

Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG: "Nachdem die Zinsen für Immobilienkredite Anfang Mai binnen weniger Tage um mehr als 0,5 Prozentpunkte gestiegen waren, haben sich die Konditionen im Monatsverlauf eingependelt. Trotz des Zinsanstiegs bleiben die Finanzierungsbedingungen für Immobilienkäufer sehr gut. Aktuell verlangen die meisten Kreditinstitute für Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung um 1,7 Prozent. Mit ihrer heutigen Entscheidung belässt es die EZB beim historisch niedrigen Leitzins, sie setzt ihre Niedrigzinspolitik und den Ankauf von Staatsanleihen fort. Vor diesem Hintergrund ist kurzfristig mit gleichbleibenden Zinsen zu rechnen, wobei es zu Schwankungen kommen kann. Wenn mittel- bis langfristig die Konjunktur anzieht und die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen nachlässt, sind steigende Zinsen für Immobilienkredite zu erwarten."

Dieses Bild zeichnet auch der Interhyp-Bauzins-Trend-Index, für den wir erneut Experten und Analysten von Kreditinstituten befragt haben.

Interhyp-Bauzins-Trend-Index

Wie die jüngste Interhyp-Expertenbefragung ergeben hat, erwartet die Mehrheit der Experten im Juni gleichbleibende Konditionen bei Immobilienkrediten. Ein Experte der Postbank erklärt: "Die Renditen von Bundesanleihen liegen unseres Erachtens aktuell näher am fundamental gerechtfertigten Niveau als zuvor. Wir rechnen deshalb zunächst auch mit einer weiteren Beruhigung des Marktgeschehens und einem weitgehend stabilen Kapitalmarktzinsniveau. Dies sollte sich dann auch entsprechend bei den Konditionen für Hypothekendarlehen niederschlagen".Von fallenden Zinsen gehen in den nächsten vier Wochen weniger Experten aus als noch im Mai. Möglich ist dieses Szenario jedoch ebenfalls. "Die Renditen haben in den zurückliegenden Wochen deutlich aufwärts tendiert. Wir betrachten diese Entwicklung an den Rentenmärkten hingegen als überzogene Reaktion der Marktakteure und rechnen kurzfristig wieder mit rückläufigen Renditen", erläutert ein Experte der PSD Rhein Neckar Saar.

An der mittel- bis langfristigen Einschätzung zum Zinsniveau hat sich im Juni bei den Experten kaum eine Meinungsänderung ergeben. Knapp die Hälfte geht von gleichbleibenden Konditionen aus. Über die Hälfte der Befragten sieht allerdings das Risiko für steigende Zinsen bei Immobiliendarlehen. "Sollten sich in den nächsten Monaten die Anzeichen einer anziehenden Inflation weiter verdichten und/oder die Europäische Zentralbank ihr Verhalten beim Ankauf von Anleihen verändern, müssen wir wohl in Zukunft mit einem steigenden Zinsniveau rechnen", erklärt ein Experte der Sparkasse zu Lübeck.Trendwende aus der Krise?Ob es ein Licht am Ende des Tunnels ist, oder nur ein entgegenkommender Zug, muss sich zeigen: Die Inflationsrate im Euroraum ist etwas gestiegen. Und die Arbeitslosenquote hat zumindest nicht weiter zugenommen, selbst wenn sie in der Eurozone noch immer über zehn Prozent liegt. Der Euro-Austritt Griechenlands, der "Grexit", ist zwar ebenso wenig gebannt wie der Staatsbankrott des Landes. Die Märkte reagieren jedoch zunehmend gelassen auf neue Hiobsbotschaften aus Athen.

In den nächsten Monaten wird sich genauer herauskristallisieren, ob Europa die Trendwende aus der Krise schafft und die Notenbanker mit ihrer Politik Recht behalten. Bis September 2016 sollen über eine Billion Euro in den Kauf von Staatsanleihen und anderen Wertpapieren fließen, um die Wirtschaft anzukurbeln und die Inflation anzuheizen. Ein Blick über den Ozean könnte die Hoffnung auf ein positives Ende schüren. In den USA, von wo die Krise ihren Anfang genommen hat, steigen bereits die Löhne und die Inflation klettert - womit dort sogar eine Wende in der Leitzinspolitik wahrscheinlicher wird.Einen Vorgeschmack, welche Auswirkungen ein Konjunkturaufschwung auf die Zinsen bei Immobilienkrediten haben wird, bekamen Immobilienkäufer im Mai bereits zu spüren. Die Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen hatte deutlich nachgelassen, weil optimistische Investoren auch zu Papieren aus anderen Ländern gegriffen haben, die sie in der Vergangenheit gemieden hatten, und die Inflationserwartung gestiegen ist. Dies hatte zu einem Kursverfall und Renditeanstieg bei deutschen Bundesanleihen und Pfandbriefen geführt. Da sich die Zinsentwicklung bei den Hypothekendarlehen an der Entwicklung der Pfandbriefe orientiert, haben sich die Konditionen für Immobilienkredite deutlich von ihrem Allzeittief entfernt, auf das sie in diesem Frühjahr gefallen waren.

Quelle: Interhyp

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