Neues aus der Welt des Bauens und Wohnens
bild zinsen oktober 2017

Baugeld wird noch billig bleiben, aber wie lange?

erschienen am 06.10.2017

  • Zinspolitik in USA vor weiterer Normalisierung
  • Katalonien-Abstimmung, Bundestagswahl und Herbstgutachten im Blickpunkt
  • Interhyp-Bauzins-Trendbarometer: Experten sehen kurzfristig weiterhin eine Seitwärtsbewegung

Mirjam Mohr, Vorstand Privatkundengeschäft der Interhyp AG

Bei der Zeitungslektüre der vergangenen zwei Wochen bin ich in der Berichterstattung über die Fed-Sitzung am 20. September mehrfach über das Wörtchen "normal" gestolpert. So hieß es in etwa: Die amerikanische Notenbank Fed will die Normalisierung ihrer Geldpolitik weiter vorantreiben - mit mittelfristig weiter erhöhten Leitzinsen und einem Abbau des Anleihen-Portfolios. Auch in Europa fordern Experten seit Jahren eine Normalisierung der Geldpolitik. Doch was heißt "normal" in diesen Zeiten? Der Duden erklärt die Bedeutung des Adjektivs so: "Der Norm entsprechend. Vorschriftsmäßig. So beschaffen, wie es sich die allgemeine Meinung als das Übliche, das Richtige vorstellt."

Was der Norm entspricht, definiert die Europäische Zentralbank etwa mit einem Zielkorridor für die Inflation "nahe 2 Prozent". Die Realität aber sieht anders aus: Trotz ultralockerer Geldpolitik bleibt diese in der Eurozone auch im September mit 1,5 Prozent weiter hinter der Zielmarke zurück.

Und die allgemeine Meinung über das Normale in Sachen Zinsen ist knapp eine Dekade nach der Einleitung der Niedrigzinspolitik nicht vergessen: Die meisten Menschen erwarten für Sparguthaben gutes Geld von ihrer Bank. Doch die Realität sieht auch hier anders aus. Für Spargeld gibt es entweder gar keine Zinsen, kleine symbolische Guthabensätze oder im Falle großer Vermögen vereinzelt sogar Negativzinsen.

Im Umkehrschluss profitieren Bauherren, Käufer und Anschlussfinanzierer weiter: Die Konditionen für Immobiliendarlehen haben im September noch einmal nachgegeben und liegen für zehnjährige Darlehen unter 1,4 Prozent. Auch wenn diese Niveaus historisch gesehen eher als Anomalie betrachtet werden müssen, gewöhnt man sich an solche Zinsen gerne und schneller als an die fehlende Guthabenvergütung. Als "normal" sollte man Baugeld für deutlich weniger als zwei Prozent dennoch nicht betrachten – im Gegenteil: In Zukunft, da sind sich die im Interhyp-Bauzins-Trendbarometer befragten Experten einig, werden Darlehen wieder teurer werden.

Zins- und Marktumfeld

Der Ausgang der Bundestagswahl mit der anstehenden schwierigen Regierungsbildung hatte bisher kaum Einfluss auf die Märkte. So liegt der Aktienindex Dax derzeit mit knapp unter 13.000 Punkten gut 20 Prozent höher als im Vorjahr. Die künftige Bundesregierung kann laut dem gerade vorgestellten Herbstgutachten führender Wirtschaftsinstitute mit einer weiter prosperierenden Wirtschaft rechnen. Neben dem Konsum befeuern demnach der Außenhandel und anziehende Investitionen die Konjunktur. Für 2018 erwarten die Ökonomen ein Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 2,0 Prozent statt den bisher erwarteten 1,8 Prozent. Die Zahl der Arbeitslosen soll 2018 im Jahresschnitt erstmals seit Wiedervereinigung unter die Marke von 2,5 Millionen sinken und 2019 weiter zurückgehen.

In der übrigen Eurozone herrscht zwar auch leichter Aufwind, der aber im direkten Vergleich zu Deutschland bestenfalls als laues Lüftchen erscheint. So legte das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Frankreich, in der zweitgrößten Volkswirtschaft der Eurozone, im zweiten Quartal im Quartalsvergleich zwar um 0,5 Prozent zu – dennoch vermag dies die bei rund zehn Prozent liegende Arbeitslosenquote bisher nicht zu verbessern. Zudem sorgen Spannungen wie derzeit in Spanien nach dem katalanischen Referendum für Unsicherheiten. Solange der Aufschwung andernorts in der Eurozone eben nur partiell und nicht so breit und stark wie in Deutschland ausfällt und gleichzeitig politische Krisen beunruhigen, stehen hiesige Schuldpapiere als Hort der Sicherheit im Fokus der Investoren.

Spannend wird in den kommenden Wochen und Monaten der Blick in die USA bleiben. So hat die US-Notenbank Fed angekündigt, ihr Investitionsprogramm zur Stützung der Märkte vorsichtig zurückzufahren, indem sie Anleihen im Wert von 4,5 Billionen Dollar stufenweise abbauen will. Den Leitzins behielt die Notenbank im September zwar erwartungsgemäß unverändert auf dem Niveau zwischen 1,0 und 1,25 Prozent. Erwartet wird jedoch noch ein Zinserhöhungsschritt für Dezember sowie bis zu drei weitere für 2018. Die US-Notenbank sieht die Lage der Wirtschaft trotz der Schäden durch die jüngsten Hurrikane optimistisch. Allerdings wird die mittelfristige Richtung der US-Zinspolitik vom Wechsel an der Spitze der Fed abhängen. Hier wird aktuell unter anderem der Ökonom Kevin Warsh gehandelt, der eine straffere Geldpolitik befürwortet.

Der Interhyp-Expertenrat

Immobilieninteressenten, die bereits ein Objekt gefunden haben, sollten die Chance ergreifen und die günstigen Zinsen aktiv nutzen. Anfang Oktober bewegen sich die Konditionen für zehnjährige Darlehen unter 1,4 Prozent, bei Bestanbietern noch darunter. Kredite mit fünfjähriger Zinsbindung sind rund 0,2 Prozentpunkte günstiger zu haben. Wir empfehlen dies jedoch nur Kreditnehmern, die ausdrücklich Flexibilität bei der Rückzahlung des Darlehens benötigen. Für die Mehrheit der Darlehensnehmer empfehlen sich Zinsfestschreibungen von 15 oder 20 Jahren. Die Konditionen dieser langlaufenden Darlehen bewegen sich bei aktuell knapp unter beziehungsweise knapp über 2 Prozent. In puncto Anfangstilgung bleiben wir bei unserer Empfehlung, mit mindestens 3 Prozent Tilgung zu starten.

Kurz und knapp: Das sagen die Experten

Langfristig sieht die Mehrzahl der Marktbeobachter unverändert eine Tendenz hin zu höheren Zinsen. Ausschlaggebend für diese Einschätzung bleiben der leichte Wirtschaftsaufschwung in der Eurozone sowie die Ankündigung der Zentralbanken, die ultralaxe Geldpolitik zu drosseln.

Fazit

Die relative und tatsächliche Stärke der deutschen Wirtschaft im Vergleich zu anderen Euro-Staaten führt unvermindert zu einer hohen Nachfrage nach deutschen Staatsanleihen. Die Renditen haben zwar im September auf knapp 0,5 Prozent zugelegt. Das weitere Aufwärtspotenzial scheint jedoch begrenzt. In Verbindung mit der aktuellen Geldpolitik, deren künftige Ausgestaltung bereits in aktuellen Kursen eingepreist ist, fehlen kurzfristig Impulse für steigende Zinskonditionen beim Baugeld. Langfristig indes sind höhere Konditionen wahrscheinlich.

Quelle: Interhyp

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