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Bild Zinsen

Zinsanstieg ist gebremst

erschienen am 7/3/2015

Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG: "Wie erwartet haben sich die Konditionen für Immobilienkredite eingependelt. Damit ist der Zinsanstieg vorerst gestoppt. Häuslebauer erhalten im Juli Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung bei Bestanbietern ab rund 1,6 Prozent und im Durchschnitt zu unter zwei Prozent. Mit einer Zinswende hin zu deutlich höheren Konditionen müssen sie in den nächsten Wochen nicht rechnen. Die Inflation ist aktuell wieder rückläufig und der drohende Austritt Griechenlands aus dem Euro belastet den Wirtschaftsaufschwung in Europa - womit die Europäische Zentralbank vorerst nicht umhin kommt, an der expansiven Geldpolitik festzuhalten. Vor allem besinnen sich Investoren in den turbulenten Zeiten noch mehr denn je auf deutsche Staatsanleihen, wovon Kreditnehmer profitieren. Dieses Bild zeichnet auch das Interhyp-Bauzins-Trendbarometer, für das wir erneut Experten und Analysten von Kreditinstituten befragt haben."

(München, 2. Juli 2015) Das Griechenland-Drama hat zumindest für Immobilienkäufer positive Seiten. Pünktlich zum Start der Urlaubssaison lastet der Grexit auf der zarten Konjunkturerholung, die im Frühjahr eingesetzt hatte. Angesichts des griechischen Schuldendramas und dem Wunsch nach einem ruhigen Sommer entdecken Investoren deutsche Staatsanleihen wieder, die sie im Mai geschmäht hatten. Wegen der hohen Nachfrage ist die Rendite bereits auf rund 0,75 Prozent gefallen. Auch die Pfandbriefrenditen bröckeln nach dem Anstieg im Mai wieder. Da sich die Zinsentwicklung bei den Hypothekendarlehen an der Entwicklung der Pfandbriefe orientiert, nimmt der Aufwärtsdruck bei den Konditionen für Baufinanzierungen in diesen Sommertagen deutlich ab.

Die Mehrheit der für das Bauzins-Trendbarometer befragten Experten geht davon aus, dass die Baugeldzinsen kurzfristig eher gleich bleiben. So rechnet ein Experte der Postbank "für die kommenden Wochen mit einer Beruhigung", die sich in "vergleichsweise stabilen Zinsen für Hypothekendarlehen" niederschlagen sollte. Einen Grund dafür sehen viele in der, so ein Experte der Commerzbank, "durch Griechenland geschürten Unsicherheit", die deutsche Staatsanleihen als sicheren Hafen attraktiv macht. Einige halten sogar kurzfristig fallende Zinsen für möglich. "Die Griechenland-Krise sorgt nicht nur für Irritationen und Ermüdungserscheinungen, sondern auch für höhere Volatilitat", so der Chefvolkswirt der ING-DiBa.

Mittel- bis langfristig erwartet das Expertenpanel weitgehend einheitlich wieder steigende Zinsen. "Sobald die akute Unsicherheit um Griechenland abebbt, sprechen fundamentale Faktoren für einen graduellen Anstieg des Zinsniveaus", berichtet ein Experte der HypoVereinsbank, darunter zunehmende Wachstums- und Inflationserwartungen, aber auch die nahende Leitzinsanhebung in den USA.

INTERHYP-BAUZINS-TRENDBAROMETER

Das Interhyp-Bauzins-Trendbarometer beruht auf den Aussagen des Expertenpanels*.

Werden die Zinsen steigen, sinken oder gleich bleiben?

Zinsentwicklung kurzfristig
(4 Wochen)

Gleichbleibend: 75%Fallend: 25%Steigend: 0%

Zinsentwicklung mittel- bis langfristig
(6 Monate bis ein Jahr)

Gleichbleibend: 12,5%Fallend: 0%Steigend: 87,5%

*Interhyp-Bauzins-Trendbarometer: Für diese Ausgabe haben uns Experten der Commerzbank, der HypoVereinsbank, der ING-DiBa, der Postbank, der MünchenerHyp, der PSD RheinRuhr, der Sparkasse Hannover und der Sparkasse zu Lübeck ihre Einschätzung zur kurz- sowie mittel- und langfristigen Zinsentwicklung gegeben. Das Interhyp-Bauzins-Trendbarometer sagt aus, wieviel Prozent der Experten jeweils die Antwort fallend, steigend oder gleichbleibend angegeben haben.

So schätzt ein Experte der MünchenerHyp, die amerikanische Notenbank Fed werde "gegen Ende des zweiten Halbjahrs mit hoher Wahrscheinlichkeit eine erste Zinserhöhung umsetzen, die dann auch auf die europäischen Zinsmärkte ausstrahlen sollte." Der Experte der Commerzbank rechnet schon etwas früher mit möglichen Auswirkungen: "Das größte Aufwärtsrisiko besteht durch die Zinswende in den USA, die wir im September erwarten."

Von allzu hohen Zinssteigerungen gehen die Experten aber nicht aus. Die expansive Geldpolitik der EZB wird voraussichtlich weitergeführt. Die leichte wirtschaftliche Erholung in der Euro-Zone - ohne Griechenland - schließe vor diesem Hintergrund starke Zinssteigerungen aus, schreibt ein Experte der Sparkasse zu Lübeck. Das Anleihe-Kaufprogramm der EZB und möglicherweise wiederkehrende Unsicherheiten zu Griechenland wirke einem starken Renditeanstieg entgegen, sagt auch der Experte der HypoVereinsbank.

Fazit

Geldpolitisch müssen Immobilienkäufer aktuell wenig fürchten: Kurzfristig können sie von im historischen Vergleich noch immer sehr niedrigen Zinsen profitieren. Mittel- bis langfristig sollten sie sich aber auf Steigerungen einstellen und die Entwicklungen verfolgen.

Quelle: Interhyp

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