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Bild Plusenergiehaus

Plusenergiehaus erzeugt durch positive Energiebilanz

erschienen am 03.05.2016

Klimaschutz als oberstes Ziel von Bebauung

Rund die Hälfte unseres gesamten Energieverbrauchs entfällt auf Häuser; deshalb strebt die Klimapolitik der Europäischen Union danach, die Energieeffizienz durch Gebäude zu erhöhen. Die Klima- und Energiepolitik bis 2030 hat sich folgende Mindestziele gesetzt:

  • Treibhausgas-Emissionen um 40 % senken
  • Anteil an erneuerbaren Energiequellen auf 27 % erhöhen
  • Erhöhung der Energieeffizienz um 27 %.

In Deutschland gelten seit Inkrafttreten der aktuellen Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) besonders strenge Regeln für Neubauten – diese müssen als Energiespar-, Passiv- oder Plusenergiehäuser errichtet werden. Je nach Energieniveau des Gebäudes winken dabei stattliche Förderungen durch die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau).

Was ist ein Plusenergiehaus

Plusenergiehäuser sind die Weiterentwicklung von Niedrigenergie- bzw. Effizienzhaus und Passivhaus. Während beim Effizienzhaus noch die Senkung des Energieverbrauchs im Vordergrund steht, bedient sich das Passivhaus ausschließlich passiver Wärmequellen wie

  • Sonne
  • Technikabwärme
  • Körperwärme

und erzeugt so einen Energieüberschuss. In der Regel sind Passivhäuser mit kleineren Fensterflächen ausgestattet, weshalb sie nur vergleichsweise geringe passive Solargewinne erzielen – hier ist genau das Gegenteil der Fall. Das Plusenergiehaus setzt zu 100 % auf eine regenerative Energieversorgung mit emissionsfreiem Betrieb. Dadurch erzeugt es eine positive Energiebilanz – und zusätzlich kommen nur „wohngesunde“ Baustoffe zum Einsatz.

Unterschiedliche Bauweisen und Gebäudetypen

Bungalow mit Flachdach, Einfamilien-, Zweifamilienhaus oder Doppelhäuser: Nahezu jeder Haustyp lässt sich mittlerweile als Energieplushaus realisieren. Auch ob Sie sich für ein Holzhaus oder die Massivbauweise entscheiden, bleibt Ihnen selbst überlassen; beide Haustypen können unter bestimmten Voraussetzungen den Plusenergiehaus-Standard erfüllen.

Gut zu wissen: Neben frei geplanten Häusern führen mittlerweile auch einige Fertighaus-Anbieter Energieplushäuser in ihrem Programm. Diese bieten zwar weniger Möglichkeiten zur Individualisierung als ein Architektenhaus; dafür haben Sie die Möglichkeit, vorab ein Musterhaus zu besichtigen – und Sie profitieren aufgrund der standardisierten Planung von der kurzen Bauzeit von Fertighäusern.

Funktionsweise eines Plusenergiehauses

Wichtigste und primäre Energiequelle eines Plusenergiehauses ist die Sonne – aus diesem Grund ist gelegentlich auch von einem „Sonnenhaus“ die Rede: Mithilfe von Photovoltaik nutzt man die Sonnenenergie zur Gewinnung von Strom. Die obligatorische Photovoltaikanlage wird dabei nicht als zusätzliches Element auf das Dach aufgebracht, sondern ist direkt in die Dachfläche von

  • Satteldach
  • Walmdach
  • Pultdach

integriert; dieser Solarstrom fließt anschließend in den hauseigenen Batteriespeicher. Wärme wird entweder durch Solarthermie oder eine Wärmepumpe erzeugt. 

Hocheffiziente Gebäudehülle gegen Wärmeverluste

Die besonders effizient gedämmte Gebäudehülle sorgt dafür, dass nur wenig Wärme entweicht. Deshalb verfügt das Plusenergiehaus über eine besonders energieeffiziente Dämmung, die dem Passivhausstandard entspricht. Alle Außenbauteile, also

  • Dachkonstruktion
  • Wände
  • Kellerboden bzw. unterste Geschossdecke

verfügen über einen U-Wert (Wärmedurchgangskoeffizienten) von weniger als 0,15 W/(m²K). Daher ergeben sich, je nach Dämmstoffqualität, Dämmungsstärken von 25 – 40 cm. Entsprechend kommen nur Materialien mit extrem hohem Dämmwert zum Einsatz. Für eine zusätzliche thermische Isolierung sorgen vorgehängte Fassaden oder auch ein mehrschaliges Mauerwerk. 

Intelligente Konstruktion für Fassaden- und Wärmeschutz

Ein weit vorgezogenes Dach dient als konstruktiver Fassadenschutz vor Wind und Regen, Überdachung des Eingangsbereichs gleichermaßen. Zusätzlich sorgt der Dachüberstand dafür, dass es im Sommer bei hochstehender Sonne im Inneren des Hauses angenehm kühl bleibt: Die Fassade ist nämlich grundsätzlich nach Süden ausgerichtet, um die Sonnenenergie (besonders im Winter) effektiv zu nutzen. An heißen Tagen jedoch kann die hocheffiziente Dreifach-Isolierverglasung von Fenstern und Türen zur „Lichtfalle“ werden, da die Fassade äußerst lichtdurchlässig ist. Daher ist für Sonnenhäuser eine zentrale Lüftungsanlage unerlässlich.

Zudem verfügen Energiesparhäuser meist über einen Windfang an der Haustür mit kleinem Vorraum. Dieser verringert Wärmeverluste beim Öffnen der Tür, verringert damit die Energieverbräuche – und sorgt gleichzeitig für größeren Komfort im Effizienzhaus.

Haustechnik für Plusenergiehäuser

Als Hauptstromquelle dient, wie bereits erwähnt, eine Photovoltaikanlage mit eigenem Batteriespeichersystem. Sie dient als Stromversorgung für sämtliche Hausgeräte (die idealerweise über entsprechende Effizienz verfügen) und für die Beleuchtung. Der größte Vorteil: Plusenergiehaus-Besitzer sind dadurch unabhängig von Strompreisen und tragen aktiv zum Umwelt- und Klimaschutz bei, da sie eine zu 100 % erneuerbare Energiequelle nutzen.

Statt einer „klassischen“ Heizung mit Heizkörpern nutzen Plusenergiehäuser (wie auch viele moderne Energiesparhäuser) in der Regel Wärmepumpen mit Flächenheizungen (wie z.B. Wandheizungen) zum Einsatz. Um Lüftungswärmeverluste zu vermeiden, setzt man eine intelligente Haussteuerung für die zentrale Wohntraumlüftung ein. Diese maximiert die Wärmerückgewinnung und steigert den Wohnkomfort: Eine manuelle Lüftung der Räume ist dadurch kaum mehr notwendig!

Großzügige KfW-Förderung nutzen

Seit dem 0.1.04.2016 gelten für die Förderung durch die KfW neue Regeln: Gefördert werden fortan KfW-Effizienzhäuser 55, 40 und 40 Plus; die verschiedenen Zuschüsse für Neubaufinanzierungen haben wir hier für Sie zusammengefasst. Neuerdings besteht zusätzlich die Möglichkeit, einen finanziellen Zuschuss zur Baubegleitung (Programm 431) in Höhe von bis zu 4.000 Euro zu beantragen.

Für sämtliche Förderprogramme gelten jedoch einige Auflagen. In erster Linie müssen die Fördergelder bereits vor Baubeginn über die Hausbank beantragt werden – dann steht der staatlichen Finanzspritze für das Energieplus-Haus nichts im Weg!

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