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Herbst: Stürme ja, aber nicht bei den Bauzinsen

erschienen am 10/1/2015

  • Baugeldzinsen bewegen sich seitwärts

  • US-Zinswende vorerst ausgeblieben

  • Interhyp-Bauzins-Trendbarometer: langfristig steigend

Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG: "Wie prognostiziert haben sich die Zinsen für Immobilienkredite seitwärts bewegt. Die Konditionen für zehnjährige Darlehen liegen für die Mehrheit der Häuslebauer aktuell bei rund 1,6 Prozent. Durch das niedrige Zinsniveau kann damit für eine Monatsrate von 1.000 Euro bei zweiprozentiger Anfangstilgung ein Darlehen über rund 330.000 Euro bedient werden. Wir erwarten, dass sich die Finanzierungsbedingungen im Herbst weiterhin nicht ändern werden. Das zeigt auch die Befragung der Bank-Experten für das aktuelle Interhyp-Trendbarometer. Wir empfehlen Immobilienkäufern, sich von der Nervosität der Marktteilnehmer und kleinen einhergehenden Konditionsschwankungen nicht aus der Ruhe bringen zu lassen. Die Zeiten für einen Hauskauf auf Kredit sind ausgezeichnet. Viel wichtiger als ein Darlehen zu Bestkonditionen ist eine solide ausgesuchte Immobilie, die mit einem sorgfältig und individuell angepassten Kredit abgezahlt werden kann."

(München, 1. Oktober 2015) Tagesaktuelle Nachrichten wie der Wirtschaftsabschwung in China, eine geringer ausfallende Inflation im Euroraum oder europäische Konjunkturdaten führen zwar immer wieder zu Auf- und Abschlägen bei den Zinsen: Für eine grundlegende Richtungsänderung sind die Zahlen jedoch zu schwach und vor allem nicht kontinuierlich genug. Das belegt auch die ausgebliebene Zinswende in den USA.

Dies sieht auch die Mehrheit der für das Interhyp-Trendbarometer befragten Experten so. Kurzfristig gehen alle Analysten der Kreditinstitute von gleichbleibenden Zinsen für Immobilienkredite aus - und führen dies oft auf die noch nicht erfolgte Leitzinserhöhung in den USA und die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) zurück. Der Experte der Postbank: "Die Kapitalmarktzinsen befinden sich aktuell infolge der Verschiebung der Leitzinserhöhung durch die US-Notenbank sowie durch die etwas gestiegene Wahrscheinlichkeit, dass die EZB ihr Anleiheankaufprogramm nochmals ausweiten könnte, auf einem gedrückten Niveau. Hieran dürfte sich in den kommenden Wochen wenig ändern." Der Chefvolkswirt der ING-DiBa bewertet die Lage so: "Kurzfristig gibt es mehrere Faktoren, die sich gegenseitig neutralisieren. Die Unruhe an den Aktienmärkten hat Staatsanleihen wieder attraktiv gemacht als sichere Häfen, dadurch fallen Zinsen eher. Erwartungen einer ersten Zinserhöhung der Fed erhöhen den Druck allerdings nach oben. Unter dem Strich sollten sich beide Kräfte neutralisieren."

Auch die derzeit bestehenden Unsicherheiten sorgen nach Meinung einiger Kreditinstitute für eine starke Nachfrage nach sicheren Anleihen und so zu niedrigen Renditen. So sagt der Experte der HypoVereinsbank: "Zahlreiche Unsicherheiten verhindern derzeit einen nachhaltigen Anstieg der Anleiherenditen: die Konjunkturentwicklung in China, die Strategie der US Notenbank, der Rückgang der Rohstoffpreise und nicht zuletzt die Folgen um den VW-Abgasskandal."

Der Experte der Allianz interpretiert die derzeitige Situation etwas anders: Die Unsicherheit werde oft mit der Entwicklung in China begründet. Ein Blick auf Zahlen zeige jedoch zum Beispiel, dass die USA nur einen eher geringen Anteil ihrer Wirtschaftsleistung durch Exporte nach China erwirtschaften. Die Schlussfolgerung des Experten: "Die aktuelle Unsicherheit der Märkte scheint weniger in den Nachrichten begründet zu sein. Den Marktteilnehmern fehlt die Richtung. Entsprechend ist eine Seitwärtsbewegung im Moment am wahrscheinlichsten."

Mittel- bis langfristig rechnen die meisten Experten allerdings mit einem Anstieg der Zinsen. Vor allem, wenn die amerikanische Notenbank Fed den Leitzins erhöhen sollte, was viele für Ende des Jahres erwarten - etwa der Experte der MünchenerHyp: "Die US-Zentralbank wird vermutlich in der Dezember-Sitzung den von vielen Marktbeobachtern erwarteten Zinsschritt nach oben vollziehen". Auch eine verbesserte Wirtschaftsentwicklung könnte steigende Zinsen hervorrufen, wie die PSD Bank RheinNeckarSaar erwartet: "Wir gehen davon aus, dass die verbesserten wirtschaftlichen Bedingungen sowie die auslaufenden Basiseffekte der gesunkenen Rohölpreise mittelfristig wieder zu höheren Inflationsraten und dem folgend zu höheren Renditen führen werden." Und der Experte der ING-DiBa erwartet: "Mittelfristig sollte die Fed und ein besseres Konjunkturbild zu leicht steigenden Zinsen führen."

Allzu groß wird der Anstieg eher nicht sein. Der Experte der Commerzbank: "Die EZB scheint zunehmend bereit zu sein, ihr Anleihekaufprogramm nochmals aufzustocken oder zu verlängern. Dies schirmt die hiesigen Anleihemärkte weitgehend vom wahrscheinlichen Gegenwind aus den USA und gleichzeitigen Spekulationen über chinesische Anleiheverkäufe ab."

Fazit

Die Nachfrage nach sicheren deutschen Papieren hat weiter zugenommen. Die zehnjährigen Pfandbriefrenditen, die als Orientierung für die Entwicklung beim Baugeld gelten, sind auf rund 0,8 Prozent gefallen. Das zeigt die DGZF-Pfandbriefkurve, die auf den Pfandbriefrenditen der DekaBank und der Landesbanken basiert. Kurzfristig dürften Immobilienbesitzer weiter von diesen Bedingungen profitieren, müssen sich aber mittel- bis langfristig auch auf - eher moderat - steigende Zinsen einstellen.

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