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Bild Schwarzwaldhaus

Schwarzwaldhäuser - vom Wohnstallhaus zur Touristenattraktion

erschienen am 03.11.2014

Knorrige Bäume, grüne Hügel und weitläufige Seen: Der Schwarzwald ist der Inbegriff der deutschen Idylle. Auf keiner Postkarte darf dabei die unverwechselbare Architektur dieses Landstrichs fehlen: das Schwarzwaldhaus.

An harte Lebensbedingungen im Schwarzwald angepasst

Die Schwarzwaldhäuser verdanken ihr Aussehen ursprünglich den sehr rauen Bedingungen im Schwarzwald: Die Wege waren weit, meist waren die Anwohner gezwungen an Hängen zu bauen und viel Schneefall und starker Wind machten das Schwarzwälder Leben im Winter mühsamSo entwickelten die Bewohner des Schwarzwaldes eine Mischung aus Fachwerkhaus und Blockhaus, bei dem Mensch und Tier unter einem Dach lebten: ein sogenanntes Wohnstallhaus. Sie fertigten es komplett aus Holz und erdachten eine stabile Dachform, damit es den harten Lebensbedingungen trotzte.

Das Dach des Schwarzwaldhauses: Schutz vor Wind und Wetter

Vor allem im mittleren und südlichen Schwarzwald prägen die so typischen Häuser das Bild. Nicht zu übersehen ist das mächtige Walmdach, das auf allen Seiten geneigte Dachflächen aufweistWie eine Kapuze ist es über das Haus gezogen - so hält es Sonnenlicht ab und sorgt dafür, dass es im Inneren des Hauses auch im Hochsommer kühl bleibt. Die Schmalseite des Daches ist als Schutz vor dem Wind der Wetterseite zugewandt.

Firstsäule als Charakteristikum

Besonders charakteristisch ist aber auch das Krüppelwalmdach: hier verbleibt ein Stück des Giebels, auf den das Dach aufgesetzt ist. Diese Form ist außerordentlich robust und eignet sich deshalb sehr gut für das Schwarzwaldhaus. Tragendes Bauelement bei den originalen Schwarzwaldhäusern ist der Firstständer. Dieser reichte vom Boden bis unter das von ihm gestützte Dach. Meist deckten die Bewohner dieses mit Stroh oder Holzschindeln.

Raumverteilung und Funktionalität im Schwarzwaldhaus

Die ursprünglichen Wohnstallhäuser verfügten meist über vier Stockwerke. Der Dachboden diente als Heustadel über dem Schlafzimmer und der Werkstatt im dritten Stock. Im zweiten Stock waren Esszimmer und Wohnräume untergebracht - direkt über den Stallungen im Erdgeschoss, unter denen der Keller lag. In den Schwarzwaldhäusern waren Arbeiten und Wohnen sozusagen eins. Ein Kachelofen heizte die Räume und wärmte die feuchte Luft aus den Stallungen. Zudem räucherten die Bewohner hier auch ihr Fleisch.

Das Schwarzwaldhaus heute - touristische Attraktion

Heute dienen die Bauernhäuser vor allem als touristische Attraktionen. Viele funktionierten die Besitzer in Ferienwohnungen oder Hotels um - durch ihre stattliche Größe sind Schwarzwaldhäuser optimal für die Gastronomie geeignet. Manche Häuser sind heute Freilichtmuseen. Doch selbst, wenn weiterhin Bauern die Höfe bewirtschaften, hat sich einiges geändert: Der Zusammenschluss von Stall und Wohnhaus existiert längst nicht mehr - im 21. Jahrhundert ist dies einfach nicht mehr funktional und bringt mehr Nachteile als Vorteile mit sich. Die Tiere sind heute in Nebengebäuden untergebracht. Erhalten blieb aber die unverwechselbare Form der Schwarzwaldhäuser.

 

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