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Achtung bei der Baufinanzierung! Welche Punkte sollte sie erfüllen

erschienen am 1/31/2013

Seit Jahren können sich die privaten Häuslebauer über sinkende Bauzinsen freuen. Dies verleitet gerne dazu, auch höhere Risiken beim Kreditabschluss einzugehen und wichtige Kalkulationsoptionen zu verdrängen. Die folgenden Grundregeln der Finanzierung sollten dabei nicht außer Acht gelassen werden:

Sondertilgung:

Bei jedem Kreditabschluss sollte die Option ausgehandelt werden, ein Sondertilgungsrecht zu erhalten. Dies bedeutet, dass anteilig zur Kreditsummenhöhe pro Kalenderjahr zusätzlich zu den Tilgungsraten ein gewisser Betrag eingezahlt werden kann. Dadurch wird die Zinslast langfristig reduziert. In der Regel räumen Banken ein Sondertilgungsrecht von 5% ein. Bei gutem Verhandlungsgeschick sind 10% der Kreditsummenhöhe pro Jahr sicherlich erreichbar. Auch wenn diese Option später nicht genutzt wird, ermöglicht sie dem Kreditnehmer eine höhere Flexibilität.

Bereitstellungszins

Der Bau eines Hauses ist, mit Ausnahme der Fertigbauweise, ein zeitraubender Prozess. Die Erstellung eines klassischen Einfamilienhauses kann dabei im Durchschnitt bis zur Fertigstellungein ganzes Jahr dauern. Bei einem Bereitstellungszins mit einer geringeren Zeitspanne fallen dann bereits während der Bauphase Zinskosten an, obwohl der Bauherr die komplette Kreditsumme noch gar nicht genutzt hat. Es ist somit wichtig, beim Kreditabschluss sowohl einen langen kostenlosen Bereitstellungszeitraum, als auch einen geringen Bereitstellungszins zu vereinbaren.

Zinssatz:

Günstige Bauzinsen verleiten gerne zum schnellen Kreditabschluss. Doch auch hierbei gilt die Prämisse des Angebotsvergleichs. Der Bau eines Hauses ist oft mit der Aufnahme einer hohen Kreditsumme verbunden. In Betrachtung der oft langen Laufzeit eines Kreditvertrages ergeben sich dann hohe finanzielle Belastungen für den Bauherrn. Selbst ein Zinssatzunterschied von wenigen Zehntel Prozent summieren sich im Laufe der Jahre zu hohen Beträgen. Bei einer Kreditsumme von beispielsweise 100.000 Euro, bei einer Laufzeit von 10 Jahren und einem Zinssatzunterschied von 0,1% errechnet sich 1.000 Euro an Zusatzzinskosten. Ein Vergleich auch über die klassische Hausbank hinweg ist somit angebracht. In der Regel ist auch bei entsprechendem Verhandlungsgeschick noch Spielraum nach unten möglich.

Kontoführungsgebühren

Einen versteckten Kostenfaktor stellen oft die Kontoführungsgebühren dar. Auch bei einem Kreditabschluss können diese auf die Jahre gerechnet finanziell belastend wirken. Es ist somit zu prüfen, ob nicht kostenlose Varianten, wie Online-Banking etc. von dem Kreditgeber angeboten werden.

Laufzeit:

Hinsichtlich der Verhandlung der Laufzeit sollte die gleiche Wichtigkeit ausgesprochen werden, wie beim Zinssatz. Die Laufzeit verspricht über einen gewissen Zeitraum eine feste Zinsbindung und erlaubt dem zukünftigen Bauherrn eine gewisse Planungssicherheit. Jedoch ergibt sich dabei der Spagat aus Flexibilität und günstiger Zinssicherung. Beim gegenwärtigen niedrigen Zinssatz ist jeder Bauherr gerne bestrebt, diesen langfristig zu sichern. Jedoch, wenn der Zinssatz in den nächsten Jahren weiter sinkt, sind entsprechende Einsparungspotenziale durch einen günstigeren Vertragsabschluss verwirkt. Bei steigenden Zinssätzen hingegen kann sich bei zu geringer Laufzeit eine Kostenfalle entwickeln. Aufgrund dessen wird empfohlen, beispielsweise das Risiko zu splitten und vielleicht die Kreditsumme auf mehrere Verträge mit verschiedenen Laufzeiten aufzuteilen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang überdies noch zu wissen, dass nach § 489 BGB nach 10 Jahren ein Kreditvertrag kündbar ist, auch wenn eine 15-jährige Konditionenfestschreibung vereinbart wurde.

Schlussendlich lässt sich festhalten, dass die Höhe der Bauzinsen nur einen Aspekt des Kreditvertrages darstellt. Wie beim Kauf eines Autos, wo das Augenmerk gerne auf die Motorleistung reduziert wird, sollte man auch beim Kreditabschluss alle Varianten beachten. Grundsätzlich sollte man dabei nicht außer Acht lassen, dass auch die Bank daran verdient, einen als Kunden zu gewinnen und zu halten.

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