Neues aus der Welt des Bauens und Wohnens
Unfall auf der Baustelle – und dann?

Unfall auf der Baustelle – und dann?

erschienen am 12/4/2011

Bauen ist für alle Bauausführenden gefährlich. Das Hantieren mit schweren Lasten, der Einsatz schneidender und bohrender Werkzeuge und Maschinen, das Arbeiten auf hochgelegenen Arbeitsplätzen – das Risiko sich zu verletzen oder abzustürzen ist hoch. Dies belegen die Statistiken der Bau-Berufsgenossenschaft. Eigentlich kein Thema für Sie als Bauherren … oder?

Oh doch, es ist Ihr Thema!

In Deutschland gibt es eine gesetzliche Regelung, die sich Baustellen-Verordnung (abgekürzt: BaustellV)nennt. Mit dem Erlass 1998 hat der Gesetzgeber europaweit geltende Regelungen zum Arbeits- und Gesundheitsschutz auf Baustellen in deutsches Recht überführt. Der Adressat dieser Verordnung sind Sie, wenn Sie Bauherr bzw.Bauauftraggeber sind. Die BaustellV definiert in Abhängigkeit von Leistungsumfang , Arbeitstagen und Anzahl der tätigen Firmen verschiedene Erfordernisse, denen Sie als Bauherr / Auftraggeber gerecht werden müssen. Erkundigen Sie sich bitte aktiv bei Ihrem Architekten oder Ihrem Bauunternehmer, ob in Ihrem Falle irgendwelche Pflichten bestehen. Sollten die es nicht wissen, werden Sie (hoffentlich) an einen geschulten Koordinator für Sicherheit und Gesundheitsschutz (SiGeKo) verwiesen. Diesen können und müssen Sie, sofern Sie selbst die notwendigen Fachkenntnisse nicht haben, mit der Wahrnehmung der verschiedenen Pflichten beauftragen. Bauvorhaben sind bereits bei relativ geringen Leistungsumfängen, z.B. Neubau eines Einfamilienhauses bei der zuständigen Behörde anzumelden – die sog. Voraankündigung. Ist der Leistungsumfang größer wird eine Sicherheits- und Gesundheitsplan (SiGePlan) erforderlich, der die sicherheitstechnischen Belange an den Gewerkeschnittstellen regelt.

Vorankündigung und SiGePlan sind auf der Baustelle auszuhängen!

Bei besonders gefährlichen Arbeiten- diese sind im Anhang 2 der BaustellVO definiert – ist eine aktive Koordinationstätigkeit gefordert. Wollen Sie umbauen, besteht bei Gebäuden, die vor 1998 gebaut wurden, das Risiko mit Baustoffen konfrontiert zu werden, die nach heutiger Betrachtung als Gefahrstoffe gelten. Damit gelten die Umbauarbeiten als besonders gefährliche Arbeitenim Sinne der BaustellV mit allen daraus resultierenden Konsequenzen. Als Koordinator dürfen Sie nur geeignete Personen bestimmen. Diese Personen müssen eine Ausbildung zum SiGeKoordinator absolviert haben, die den Anforderungen nach RAB 30 genügt. Eine Unterlassung kann die Stilllegung der Baustelle durch die zuständige Behördeund ein Bußgeld zur Folge haben. Kommt es zu einem schweren Unfall, ist es nicht auszuschließen, dass die Unfallversicherung Sie als Bauherren mit ins Boot holt und Sie an den Kosten der Heilbehandlung und möglicher Folgekosten beteiligt. Diese Konstellation könnte jegliche Bauabsicht zu Nichte machen und Sie und Ihre Familie in den wirtschaftlichen Ruin treiben. Sie entscheiden ob Sie die für die SiGeKoordination anfallenden Kosten in Kauf nehmen und ihr Haftungsrisiko auf die Schultern einer fachkundigen Person verlagern, oder ob Sie das Risiko von Baustellenstopp,Bußgeld und Haftung bei sich behalten wollen. Wenn Verwandte und Freunde auf Ihrer Baustelle tätig sind, ist der Abschluss einer Helferversicherung bei der BauBerufsgenossenschaft dringend anzuraten. Diese übernimmt bei einem Unfall die Kosten der Notfallversorgung und Heilbehandlung sowie anfallende Folgekosten.Schließen Sie die Versicherung nicht ab, bleiben die Kosten bei Ihnen.

Bei Fragen zur BaustellV oder zur SiGe-Koordination stehe ich gerne zu Ihrer Verfügung. Bitte verwenden Sie das Kontaktformular auf meiner Homepage: www.bauberatungbernau.de

Dipl.-Ing. (FH) Marc Ellinger Sachverstand am Bau – Bau-Beratungs-Büro Bernau

nach oben
Menü