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Zinsen bleiben kurzfristig tief

erschienen am 8/7/2015

Unsichere Zeiten, niedrige Zinsen

  • Griechenlandkrise und Konjunkturschwäche halten Zinsen tief
  • Konditionen im Juli leicht gesunken
  • Interhyp-Bauzins-Trendbarometer: Mittel- bis langfristig Anstieg erwartet

Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG: "Wer sich in diesem Sommer für einen Immobilienkauf entscheidet, kann sich über günstige Finanzierungsbedingungen freuen. Die Zinsen für Kredite mit zehnjähriger Zinsbindung sind wieder leicht gefallen. Sie liegen in vielen Fällen bei rund 1,8 Prozent, bei Bestanbietern sogar bei rund 1,5 Prozent pro Jahr. Die Zinsentwicklung wird weiterhin bestimmt von der wirtschaftlichen Stärke Deutschlands in der Krise und der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Ob Investoren zukünftig weiterhin in hohem Maße auf deutsche Staatsanleihen setzen werden und damit für niedrige Zinsen bei Hypothekendarlehen sorgen, hängt neben der konjunkturellen Entwicklung in Europa auch von der Zinspolitik in den USA ab. Im Interhyp-Bauzins-Trendbarometer erwarten die meisten Experten und Analysten mittel- bis langfristig durchaus steigende Zinsen bei Immobilienkrediten."

(München, 6. August 2015) Die Mehrheit der für das Trendbarometer befragten Experten geht davon aus, dass die Zinsen für Immobilienkredite kurzfristig eher gleich bleiben. Die zuletzt leicht gesunkenen Zinsen werden vielfach auf Unsicherheiten an den Märkten zurückgeführt. Ein Experte der PSD RheinNeckarSaar: "Die Entwicklung am Zinsmarkt war in den zurückliegenden Wochen geprägt durch die Unsicherheiten um den Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Wir rechnen kurzfristig damit, dass diese Unsicherheit weiter anhalten wird." Global habe sich "die relative Wachstumsschwäche Chinas und anderer Schwellenländer in Verbindung mit den Turbulenzen an den Börsen in China als großer Unsicherheitsfaktor" herauskristallisiert, schreibt der Experte der HypoVereinsbank.

Die zukünftige Entwicklung wird nach Einschätzung der Experten auch von der Inflation und der Konjunktur in Deutschland und im Euroraum abhängen. "Nach dem scharfen Renditeanstieg seit Mitte April sind die Renditen wieder auf ein Niveau gefallen, bei dem die Fundamentaldaten eine größere Rolle spielen", so der Experte der Commerzbank. Mittel- bis langfristig erwarten die Experten mehrheitlich steigende Zinsen, vor allem vor dem Hintergrund erster positiver Konjunkturentwicklungen in einigen Ländern Europas und in den USA. "Diese Entwicklungen sollten trotz der Schwierigkeiten, die in Fernost zu beobachten sind, eher zu einer leichten Reduktion der von den Zentralbanken bereitgestellten Liquidität und damit mittelfristig zu einem leichten Zinsanstieg führen", so ein Experte der Allianz.

Mit einem Beginn der Zinsanhebung in den USA durch die amerikanische Notenbank Fed rechnen einige Experten schon in nicht allzu langer Zeit - etwa die Commerzbank: "Wir erwarten den ersten Zinsschritt der Fed im September und damit etwas früher als von der US-Kurve eingepreist. In diesem Umfeld dürften auch die Renditen von Bundesanleihen zum Jahresende moderat steigen."

Der Chefvolkswirt der ING-DiBa schreibt: "In den nächsten vier Wochen sind alle Augen auf die amerikanische Fed gerichtet. Die Zeichen für eine erste Zinserhöhung im September vermehren sich und sollten auch in Deutschland die langfristigen Zinsen leicht nach oben drücken." Eine starke Steigerung sei aber nicht zu erwarten, da die EZB mit Anleihekäufen und viel Liquidität "eine Art Deckel auf alle Zinserhöhungen" halte.

Fazit

Immobilienkäufer in Deutschland profitieren in diesem Sommer von den Auswirkungen der vorerst etwas entschärften Griechenlandkrise und der sich nur langsam erholenden Konjunktur in Europa. Der Grexit ist im August etwas mehr in den Hintergrund gerückt als noch im Monat zuvor. Immerhin zieht auch die Wirtschaftsleistung in einigen Ländern wieder etwas an. Die EZB pflegt das zarte Pflänzchen der Konjunkturerholung mit ihren Mitteln: Der Leitzins ist unverändert auf Rekordtief. Der Anleiheankauf wurde im Juli sogar etwas beschleunigt, um der Sommerflaute entgegenzuwirken.

Weitere Entwicklungen werden für Deutschland und damit für Immobilienkäufer eine besondere Rolle spielen. So stützt die robuste Konjunkturentwicklung in den USA den hiesigen Export, lässt jedoch eine Zinsanhebung in den USA wahrscheinlicher werden. Zudem kühlt sich das Wirtschaftswachstum in China deutlich ab - was nicht ohne Folgen für die exportstarke deutsche Wirtschaft bleiben wird.

Wenn Investoren ihren Fokus von hiesigen Staatsanleihen und Pfandbriefen abwenden, wird dies zu steigenden Konditionen bei Immobilienkrediten führen.

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