Neues aus der Welt des Bauens und Wohnens
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Das eigene Zuhause als Ankerpunkt – mit günstigen Zinsen machbar

erschienen am 04.05.2018

  • Zinspolitik: Europa hadert, USA zeigen sich entschlossen
  • Politische und wirtschaftliche Unsicherheiten halten Bauzinsen niedrig
  • Trend: Momentan gleichbleibend, langfristig steigend

Mirjam Mohr, Vorstand Privatkundengeschäft der Interhyp AG

"Ob nach der Arbeit, am Wochenende, mit Freunden oder mit der Familie: Zum Zuhause hat jeder von uns eine ganz eigene Beziehung. Ich wage zu behaupten, dass uns das Zuhause in einer zunehmend digitalen und komplexen Welt mehr denn je Anker- und Identitätspunkt ist. Während viele Konsumgüter wie Autos, Smartphones oder Kleidung in immer kürzeren Zyklen ausgetauscht werden, ist das Zuhause über Jahrzehnte eine Konstante, im Alltag und in besonderen Momenten. Hier feiern wir Feste mit Freunden und Familie, kommen aber auch zur Ruhe.

Der Weg ins eigene Zuhause ist finanziell nicht immer ganz leicht, aber mit der richtigen Strategie und den richtigen Beratern machbar. Das aktuelle Zinsumfeld macht den Einstieg ins Wohneigentum noch immer für viele Menschen attraktiv."

Zins- und Marktumfeld

Baugeld hat sich im April in einem kleinen Schwankungskorridor von etwa 0,1 Prozentpunkten seitwärts bewegt. Die Kreditkonditionen sind mit rund 1,5 Prozent für zehnjährige Zinsbindungen immer noch ausgesprochen günstig.

So paradox es klingt: Die ruhige Seitwärtsbewegung hat ihre Ursache im unruhigen Fahrwasser von Wirtschaft, Politik und Märkten. Denn wirtschaftliche und politische Unsicherheiten führen unter anderem zu einer verstärkten Nachfrage und sinkenden Renditen bei langfristigen Anleihen und Pfandbriefen – und daran orientieren sich die Baugeldzinsen. Je stärker die Nachfrage nach der zehnjährigen Bundesanleihe und je geringer ihre Rendite, desto günstiger ist in der Regel der Baugeldzins. Aktuell liegt die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe mit rund 0,6 Prozent auf wenig verändertem und noch immer geringem Niveau.

Die Unsicherheiten sind vielfach offensichtlich, zum Teil auch unterschwellig. So hat sich der Handelskrieg zwischen den USA, China und Europa zwar im April nicht weiter zugespitzt – aber auch nicht abgekühlt. Die Ausnahmeregelung für Europa wurde gerade für zunächst einen Monat verlängert. Neben der Strafzolldebatte schlummern viele weitere Unsicherheitsfaktoren unter der Decke der medialen Tagesagenda – darunter zum Beispiel die diplomatischen Verstimmungen mit Russland, der jüngste Syrien-Einsatz oder die mögliche Wirtschaftsabkühlung in China – wenn es auch einzelne Entspannungssignale gibt, wie aktuell aus Nordkorea.

Dazu kommt, dass auch die Europäische Zentralbank (EZB) gerade keine stärkeren Signale hinsichtlich einer möglichen Zinswende sendet. Bei der jüngsten Sitzung Ende April beließen die Währungshüter die Leit- und Strafzinsen unangetastet auf ihren Rekordtiefs. Die milliardenschweren Anleihekäufe wollen sie noch mindestens bis September fortsetzen.

In den USA indes präsentiert sich die Wirtschaft weiterhin robust – und von hier erwarten viele Experten langfristig auch Impulse für Europa. Die Währungshüter der amerikanischen Notenbank sehen die Wirtschaft und Beschäftigung trotz des Handelskonfliktes positiv und peilen weitere schrittweise Zinserhöhungen an, auch wenn es auf der Sitzung Anfang Mai noch zu keinem weiteren Zinsschritt gekommen ist.

Der Interhyp-Expertenrat

Die Zeiten für klassische Sparer bleiben mittelfristig mau, für Darlehensnehmer aber günstig. Das Zinstief kommt weiterhin allen zugute, die auf einen Vermögensaufbau durch Immobilien setzen und dafür Fremdkapital einsetzen müssen. Sparen lässt sich in diesem günstigen Zinsumfeld jedoch auch bei der Finanzierung selbst. Neben dem Zinsvergleich empfehlen wir eine solide und klassische Finanzierungsstruktur. Dazu zählen ein möglichst hoher Eigenkapitaleinsatz und hohe Anfangstilgungen. Wir empfehlen am besten drei Prozent und mehr. Mit unserem neuen Zinsrechner können Interessenten Tilgungsszenarien nun noch leichter durchspielen und sehen, wie sehr sich eine hohe Tilgung auf die Höhe der Restschuld, die Höhe der Zinszahlungen sowie die Länge der Kreditlaufzeit auswirkt.

Kurz und knapp: Das sagen die Experten

Die befragten Experten erwarten kurzfristig weiterhin gleichbleibende Zinsen. Auf Sicht von sechs oder zwölf Monaten sieht die Mehrheit aber leicht steigende Konditionen voraus – in Erwartung von Impulsen durch weitere Zinsanhebungen in den USA und einer langsamen Abkehr von der ultralockeren Geldpolitik in Europa.

Im Detail: Die Aussagen der Experten im Interhyp-Bauzins-Trendbarometer

  • Allianz: "Die Zinsen stabilisieren sich kurzfristig auf dem aktuellen Niveau. Dies ist positiv zu bewerten, da es ein Indikator für eine ruhige Reaktion der Märkte ist."
  • Commerzbank: "Der fortgesetzte Druck auf die US-Zinsen birgt weitere Aufwärtsrisiken für die heimischen Zinsmärkte. Allerdings belegen die schwachen Euro-Frühindikatoren, dass die Konjunktur wohl ihr Hoch überschritten hat, was letztlich auch der EZB die Hände bindet und Unterstützung bietet."
  • HypoVereinsbank: "Einige Faktoren, welche das Stimmungsbild an den Finanzmärkten im Februar und März belastet haben, verlieren an Einfluss. Der Handelskonflikt hat sich zuletzt nicht weiter intensiviert. Geopolitisch gibt es vor allem aus Nordkorea Entspannungssignale. Kurzfristig sollte der Markt auf den aktuellen Niveaus konsolidieren. Mittelfristig erwarten wir weiterhin, dass sich das Renditeniveau graduell nach oben verschiebt."
  • ING-DiBa: "Die Aufregung nach den gestiegenen Ölpreisen und amerikanischen 10-Jahres-Zinsen über drei Prozent sollte sich in den kommenden Wochen wieder etwas legen. Es gibt wenig Anzeichen, dass sich in den USA oder in der Eurozone die Inflation plötzlich stark beschleunigt. Daher wird es vor allem die EZB ruhig angehen."
  • MünchenerHyp: "Die EZB hat wie erwartet keine Änderung der Geldpolitik verkündigt. Damit bleibt kurzfristig eine erhebliche geldpolitische Unterstützung der Zinsmärkte gegeben und das Zinsniveau sollte mit leichten Schwankungen seitwärts tendieren. Zum Ende des Jahres dürfte die EZB ihr Neukaufprogramm beenden. Diese Entwicklung und wieder freundlichere Wirtschaftsdaten in den nächsten Quartalen sollten zu etwas höheren Zinsen mittelfristig führen."
  • Postbank: "Gleich mehrere Faktoren sprechen unseres Erachtens für eine langsame Fortsetzung der Aufwärtsbewegung auf Jahressicht. Zum einen dürfte die EZB die eingeleitete geldpolitische Wende weiter vorantreiben und ihre Netto-Anleiheankäufe zum Jahresende einstellen. Mit einer ersten Leitzinsanhebung im Euroraum rechnen wir dann zur Jahresmitte 2019. Zum anderen sollte der fortgesetzte Zinsanstieg in den USA auch den deutschen Kapitalmarktzinsen weiter Auftrieb verleihen. Die zehnjährige Bundrendite erwarten wir auf Jahressicht bei 1,25 Prozent. Ein moderater Anstieg der Zinsen für längerfristige Hypothekendarlehen sollte daher in Betracht gezogen werden."
  • PSD Bank RheinNeckarSaar: "Die Europäische Zentralbank sendet keine weiteren Signale für ein Ende ihrer expansiven Geldpolitik. Auch die erwartete Einstellung der monatlichen Anleihekäufe sollte zu keiner Änderung des zinspolitischen Kurses führen. Wir gehen daher davon aus, dass die Zinsen noch für längere Zeit auf dem aktuellen Niveau bleiben werden."
  • Sparkasse zu Lübeck: "Aufgrund der positiven wirtschaftlichen Entwicklung in der Eurozone und durch den angekündigten Ausstieg der EZB aus der ultraexpansiven Geldpolitik erwarten wir leicht steigende Zinsen."

Quelle: Interhyp

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