Neues aus der Welt des Bauens und Wohnens
Barrierefrei Bauen und Wohnen ohne Hindernisse

Barrierefrei Bauen und Wohnen - Teil 2

erschienen am 1/27/2012

Um barrierefreies Bauen und Wohnen umzusetzen, bedarf es der Beachtung einiger Planungsgrundlagen, die die Handwerkskammer Trier auf einer Website (www.barrierefrei-bauen.de) erläutert:

Der Eingangsbereich

Das Haus, die Wohnung, sowie deren Anlagen und Einrichtungen müssen mit einer lichten Durchgangsbreite von 95 Zentimeter stufenlos erreichbar sein. Dazu gehört in den meisten Fällen auch ein schwellenfreier Türbeschlag. Der Eingangsbereich muss gut beleuchtet und deutlich erkennbar sein. Optimal ist eine nach unten scheinende und nach oben abgedunkelte Wegbeleuchtung. Die Zuwegung darf ein Längsgefälle von sechs Prozent nicht überschreiten und muss eine ebene Bewegungsfläche von etwa 150 x 150 Zentimeter aufweisen. Die Wegoberfläche muss glatt und ohne hindernde Kanten sein und ein rüttelfreies Befahren ermöglichen. Auf eine Eingangsstufe sollte verzichtet werden. Empfehlenswert sind ein kraftbetätigter Türantrieb mit einer Schließverzögerung sowie ein sogenannter Weitwinkelspion.  Türklingel und andere Bedienungselemente sollten in einer Höhe von 85 Zentimetern angebracht werden. Günstig ist hierbei eine Wechselsprechanlage, die auch in anderen Räumen montiert sein sollte. Eine waagerechte Greifstange an der Innenseite der Tür ermöglicht Rollstuhlbenutzern, die Tür leicht hinter sich zuziehen zu können. Eine Fußmatte muss in einer Vertiefung mit dem Boden abschließen, um eine Stolperfalle zu vermeiden.

Diele und Treppenhaus

Die Bodenbeläge sollten rutschhemmend sein. Empfehlenswert ist ein bis zum Boden reichender Spiegel, um ihn sowohl im Stehen als auch im Sitzen nutzbar zu machen. der Eingangsbereich sollte durch einen Windfang von der restlichen Wohnung abgetrennt sein. Notwendig sind genügend Ablagemöglichkeiten für Gehhilfen  und andere Hilfsmittel. Eine Briefkastenablage an der Innenseite der Tür verhindert, dass Post vom Boden aufgehoben werden muss. Die Garderobe muss in der Höhe leicht erreichbar sein. Bei Treppen muss es sich um Setz- oder Blockstufen ohne Stufenunterschneidungen handeln. Sie müssen über beidseitige Handläufe verfügen. Anfang und Ende des Treppenlaufes müssen rechtzeitig und deutlich erkennbar sein. Treppen über mehrere Etagen müssen Ruheplätze aufweisen. es ist darauf zu achten, dass hier die Beleuchtung  lange genug brennt.

 

Das Bad

Die Bewegungsfläche neben dem WC muss ausreichend  dimensioniert sein. Die Tür zum Sanitärbereich darf nicht in den Raum schlagen und muss auch von außen entriegelbar sein. Günstig ist ein stufenlos begehbarer Duschplatz von ausreichender Größe. Besonders wichtig für Rollstuhlbenutzer ist ein flacher, unterfahrbarer Waschtisch. Die Bedienungsvorrichtung sollten eine Einhebelmischbatterie mit schwenkbarem Auslauf aufweisen. Die Temperaturverstellung darf nur bis maximal 45 Grad Celsius und muss über eine hebelartige Betätigung möglich sein. Der Waschtisch muss über eine ausreichend große Ablagefläche verfügen. Auch hier muss der Spiegel sowohl im Sitzen als auch im Stehen einsehbar sein. Die Sitzhöhe des WC muss mindestens 48 cm betragen. Im Bedarfsfall müssen Stützgriffe zum Übersetzen angebracht werden. Gut ist , wenn ein direktes Umsetzen vom WC zum Duschbereich möglich ist. WC-Spülung und Toilettenpapierhalter müssen im vorderen Greifbereich des Sitzenden angebracht sein. Empfehlenswert ist ein anatomisch geformter WC-Sitz. Wandschränke sind so anzubringen, dass sie auch im Sitzen erreichbar sind. Grundsätzlich notwendig sind außerdem ausreichende Haltevorrichtungen mit geeignetem Profil und griffiger Oberfläche. Bei Rollstuhlbenutzern im Haushalt sollte noch eine zusätzliche Toilette verfügbar sein. Der Fußbodenbelag muss rutschsicher sein. Die Raumtemperatur muss frei wählbar und auch kurzzeitig zu erhöhen sein. Vor dem WC empfiehlt sich eine Wärmematte, um die Kälteeinwirkung bei nackten Füßen zu vermeiden. Große Glasflächen müssen kontrastreich gekennzeichnet und bruchsicher sein. Empfehlenswert ist ein Notrufschalter, der auch vom Boden, beispielsweise über eine Zugschnur, erreichbar ist. Die Raumbeleuchtung muss hell und kontrastreich sein.

Das Wohnzimmer

 

Das Zimmer muss über genügend Freiflächen verfügen, die zum Beispiel Rollstuhlfahrern einen ausreichenden Bewegungsradius und das Umsetzen in eine Sitzgelegenheit ermöglichen.  Das gilt auch für Freiraum an hohe Schrank- und Regalwände. Schalter und Betätigungselemente müssen horizontal 50 Zentimeter aus der Ecke heraus erreichbar und 85 Zentimeter über dem Boden angebracht sein. Viel Wert sollte auch auf gute indirekte Beleuchtung mit regulierbaren Lichtquellen gelegt werden. Sitzmöbel sollten unter Umständen mit einer Aufstehhilfe versehen werden. Das Telefon sollte sich auf einer ausreichend großen Ablagefläche befinden. Für Sehbehinderte muss es gut lesbare Zahlen und große Tasten  haben und für Hörgeschädigte möglichst zusätzlich mit einem optischen Klingelsignal versehen sein. Heizungskontrollelemente und Rollos müssen leicht bedienbar sein. Fensterbrüstungen dürfen auf einer maximalen Höhe von 60 Zentimetern liegen. Der Tisch muss um- und voll anfahrbar sein. Empfehlenswert sind Regale und Schränke, die leicht unterfahrbar sind.

 

Die Küche

Vor beziehungsweise entlang der Kücheneinrichtung muss eine Bewegungsfläche von 150 Zentimetern gegeben sein. Ein Rollstuhldrehkreis ist auch in kleineren Küchen unerlässlich. Alle Küchenelemente wie Herd, Arbeitsplatte und Spüle sollten nebeneinander mit Beinfreiheit angeordnet sein. Für Rollstuhlfahrer muss alles unterfahrbar sein. Alle Bereiche des ständigen Gebrauchs müssen unbegrenzt barrierefrei zugänglich sein. Alle Bedienelemente sollten ergonomisch geformt sein und über leicht greifbare Griffe verfügen. Empfehlenswert sind sogenannte Apothekerschränke mit Komplettauszügen. Auch in der Küche sollte ein Telefonanschluss gegeben sein. Die Spüle sollte über eine Eingleitschräge sowie einen herausziehbaren Brauseschlauch verfügen. Der Küchentisch sollte eine Unterfahrbarkeit von 69 Zentimetern gewährleisten.

Das Schlafzimmer

Entlang der Betteinstiegsseite muss eine Bewegungsfläche von 150 Zentimetern Tiefe gegeben sein. Noch besser ist es, wenn das Bett von mehreren Seiten zugänglich ist. Die Inklusive der Auflagen sollte die Betthöhe nicht höher als 55 Zentimeter sein. Günstig sind hier auch Aufrichthilfen oder im besonderen Fall Sicherungsgitter. Der Lichtschalter muss auch im Dunkeln leicht erreichbar sein. Große Bedeutung sollte einer individuellen Heizung beigemessen werden. Gegebenenfalls sollte eine Zusatzheizung in Erwägung gezogen werden. Zur Anwendung sollten nur allergiefreie Materialien kommen. Empfehlenswert sind Schränke mit ausklappbarer Kleiderstange und auch eine Beleuchtung des Schrankinnenraumes. Optimal sind begeh-und befahrbare Kleiderschränke. Es muss abgesichert sein, dass Be- und Entlüftung sowie Luftfeuchtigkeit kontrollierbar und beeinflussbar sind.

Der Balkon

Der Balkon muss schwellenfrei erreichbar und die Tür leicht zu öffnen sein. Notwendig ist ein ausreichend großer Freisitz mit genügend Bewegungsfläche. Die Balkonbrüstung sollte ab 60 Zentimetern Höhe durchsichtig gestaltet sein und über eine Absturzsicherung verfügen. Eventuelle Balkonbegrünung muss auch im Sitzen zu pflegen sein. Der Bodenbelag muss rutschfest sein, Lattenroste sind nicht geeignet. Zur möglichen Zusatzausstattung gehören leicht bedienbare Sonnenrollos, verstellbare Windschutzwände, Wärmestrahler, Beleuchtung und wetterfeste Steckdosen.

Das alles sind nur Anhaltspunkte für die Planung beim barrierefreien Bauen und Wohnen. Über genaue Details geben die DIN 18024 bzw. 18025 Auskunft. Und es kommt natürlich auch in jedem Fall darauf an, auf individuelle Bedürfnisse und Besonderheiten einzugehen.

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