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Dämmstoffe im Vergleich : Synthetische und natürliche Materialien

erschienen am 5/2/2014

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In den vergangenen Jahren gewinnen Energie- und Gesundheitsfragen beim Hausbau immer mehr an Relevanz. Dabei spielen neben ökologischen Fragen auch gesundheitliche Aspekte eine zentrale Rolle.

Bei der Fassadendämmung treffen beide Themen aufeinander – Grund genug, verschiedene Dämmstoffe unter die Lupe zu nehmen, die häufig eingesetzt werden.

Wichtige Kriterien zur Beurteilung eines Dämmstoffs

Eine gute Dämmung muss mehrere Kriterien erfüllen; dazu zählen vor allem:

  • Die Dämmwirkung: Der sogenannte Wärmedurchgangskoeffizient (kurz: U-Wert) gibt an, wieviel Wärme pro Quadratmeter durch ein Bauteil verloren geht. Je niedriger der Wert, desto besser die Wärmedämmung. Dies gilt sowohl für den Kälte- als auch für den Hitzeschutz.
  • Die Wasserdampf-Durchlässigkeit: Gibt eine Wand viel Feuchtigkeit nach außen ab, sinkt das Risiko der Schimmelbildung.
  • Der Preis: Neben gesundheitlichen und energetischen Fragen ist selbstverständlich auch der finanzielle Aspekt interessant – auch die beste Dämmung muss bezahlbar sein.

Diese Kriterien bilden im Folgenden die Vergleichsbasis für synthetische und natürliche Dämmstoffe; die Frage nach Nachhaltigkeit und Auswirkungen auf die Gesundheit der Hausbewohner runden das Bild ab.

Synthetische Materialien

Polyurethan

Dämmplatten aus Polyurethan (PUR) zählen zu den Alleskönnern in Sachen Wärmedämmung. Dank ihrer niedrigen Wärmeleitfähigkeit kommen sie sowohl bei der Innen- als auch bei der Außendämmung zum Einsatz.

Das Erdölprodukt ist unverrottbar, was in Sachen Nachhaltigkeit einen klaren Nachteil darstellt, außerdem bietet es keinen Feuchteschutz – für die Flachdach-Dämmung z.B. ist der kostengünstige Baustoff also nur bedingt geeignet.

Styropor (Polystyrol)

Auch bei Polystyrolen handelt es sich um Erdölprodukte mit niedrigem U-Wert. Dabei wird v.a. zwischen zwei Arten unterschieden:

Dämmplatten aus EPS- und XPS-Hartschaum verfügen über sehr gute Dämmeigenschaften, sind schwer entflammbar und kostengünstig, weshalb sie in einem WDVS (Wärmedämmverbundsystem) häufig zum Einsatz kommen. Allerdings sind die Platten weder UV-beständig noch feuchtigkeitsdurchlässig. Hinzu kommt, dass die häufig enthaltenen Flammschutzmittel aus gesundheitlichen Gründen nicht unbedenklich sind.

Natürliche Alternativen

Eine Fassadendämmung aus nachwachsenden Rohstoffen erfreut sich in den letzten Jahren wachsender Beliebtheit. Immer neue Materialien finden dabei Verwendung – ihre Eigenschaften unterscheiden sich jedoch z.T. erheblich.

Zellulose

Hohe Wärmedämmung und Wasserdampfdurchlässigkeit machen Zellulose zu einem hervorragenden Dämmstoff. Das Recyclingprodukt aus Altpapier gehört mittlerweile zu den am häufigsten eingesetzten Materialien im WDVS.

Unter den Öko-Dämmstoffen ist Zellulose der preisgünstigste. Der größte Nachteil besteht in der Entflammbarkeit, weshalb meist Borate zugesetzt werden. Da die Hausbewohner in der Regel nicht mit der Zellulosedämmung in Kontakt kommen, ist eine gesundheitsschädliche Wirkung praktisch ausgeschlossen.

Hanf/Flachs

In Sachen Wärmedämmung können Hanfmatten durchaus mit Glaswolle mithalten, der sommerliche Hitzeschutz und die Feuchtigkeitsdurchlässigkeit sind sogar noch besser. In Sachen Schallschutz, Brennbarkeit und Langlebigkeit kann kaum ein anderer Baustoff mit Hanf mithalten.

Für Allergiker ist Hanf die Fassadendämmung der Wahl, da keine Pestizide zur Vorbehandlung des Baustoffs notwendig sind und das Material seinerseits kaum allergische Reaktionen hervorruft. Diese Vorteile haben allerdings ihren Preis: Finanziell rangiert Hanf bzw. Flachs in der Königsklasse unter den Baustoffen.

Seegras

Noch relativ neu ist die Wiederentdeckung von Seegras als Dämmstoff. Als Strandgut eingesammelt oder aus dem Wasser gefischt, getrocknet, zerkleinert und gereinigt findet es als Fasermaterial Verwendung. Dämmwirkung, Hitze- und Feuchtigkeitsschutz sind zum Teil überdurchschnittlich gut; dank des hohen Silikat-Gehalts ist das Risiko von Ungeziefer-Befall (im Gegensatz zu anderen Naturstoffen wie z.B. Schafwolle) der Fassadendämmung äußerst gering.

Seegras ist praktisch nicht entflammbar und kommt ohne chemische Zusätze aus – bislang handelt es sich allerdings um einen eher exotischen Baustoff, zu dem kaum Langzeiterfahrungen vorliegen und dessen Preis momentan relativ hoch ist. Für die Zukunft jedoch ist Seegras, das rund um Mittelmeer und Ostsee in Form von „Neptunbällen“ tonnenweise anfällt, ein vielversprechendes Material.

Öko-Materialien: Mehr Vorteile als Nachteile

Einen wichtigen Vorteil haben alle alternativen Dämmstoffe gemeinsam: Der Primärenergiebedarf zur Herstellung bei allen Naturprodukten (auch Schafwolle, Schilfrohr und Kokosfasern)ist gering; auch in Sachen Wiederverwertbarkeit können all diese Materialien punkten.

Jedoch ist nicht jedes Naturmaterial für jeden Zweck geeignet – mitunter erweisen sich die Stoffe nicht als so langlebig und widerstandsfähig wie synthetische Materialien, Langzeiterfahrungen stehen (z.B. im Fall von Seegras) noch aus. Eine umfassende Beratung ist daher beim Bau des Eigenheims unumgänglich.

Hinzu kommt, dass die Anschaffungskosten meist deutlich höher liegen als bei PUR oder Polystyrol. In Sachen Wärmedämmung und Feuchtigkeitsschutz allerdings können die Baustoffe durchaus mit den herkömmlichen Materialien für die Fassadendämmung mithalten: Die Investition in ein gutes Öko-Gewissen hat allerdings ihren Preis.

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