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Bild Lehm

Hausbau mit Lehm: Natürlich bauen mit Tradition

erschienen am 4/1/2015

Lange Zeit war Lehm als Baustoff in Deutschland fast völlig in Vergessenheit geraten. Doch ökologische Gründe und ein wachsendes Interesse an Wohngesundheit verhalfen dem Material zu einer Renaissance.

Seit August 2013 gelten nun auch verbindliche Regeln für im Werk hergestellte Lehm-Baustoffe, die in den Normen

  • DIN 18945 für Lehmsteine
  • DIN 18946 für Lehmmauermörtel
  • DIN18947 für Lehmputzmörtel

festgehalten sind.

Zusammensetzung des Lehms

Lehm für den Lehmbau setzt sich aus verschiedenen Stoffen zusammen, nämlich aus

  • Sand
  • Schluff
  • Ton

Oft wird er zusätzlich noch mit Stroh versetzt. Die Mischung entsteht durch verwitterte Gesteine oder durch Ablagerungen der verschiedenen Stoffe. Gewonnen wird das Baumaterial für den Lehmbau in Lehmgruben – verwenden können Sie es für den Hausbau sowohl gebrannt als auch ungebrannt. Lehm-Vorkommen finden Sie fast überall in Deutschland. Früher war es üblich, den Baustoff direkt auf dem Baugrund abzubauen, weswegen sich auf manchen Grundstücken – zum Beispiel in der Nähe alter Fachwerkhäuser – noch Lehmkuhlen finden lassen.

Die Merkmale des Baustoffs Lehm

Lehm als Baustoff ist nicht nur kostengünstig. Für seine Beliebtheit ist eine Reihe guter Eigenschaften verantwortlich.

Lehmputz sorgt für besondere Optik

Lehmputz bietet gute Gestaltungsmöglichkeiten für Ihr Haus, da er durch Trocknung an der Luft verfestigt – durch Zugabe von Wasser aber wieder plastisch wird. Dadurch können Sie mithilfe verschiedener Verputz-Techniken für schöne, dekorative Effekte sorgen. Auf der anderen Seite ist Lehm auch nicht so widerstandsfähig gegen Nässe - d.h. dass Sie ihn immer mit speziellen Farben oder Kalkputz schützen müssen.

Wohngesundheit im Lehmhaus

Im Lehmbau herrscht ein angenehmes Raumklima, weil der Baustoff sorbtionsfähig ist. Das bedeutet: Lehm speichert die Luftfeuchtigkeit und gibt diese wieder ab. Das ist gesund für unsere Schleimhäute, weil diese nicht austrocknen. Echter Lehm hat außerdem eine geringe Gleichgewichtsfeuchte von 0,4 bis 6 Gewichtsprozenten, wodurch er organische Stoffe wie Holz entfeuchtet. Infolgedessen reduziert er das Risiko für Schimmelbildung. Zudem wirkt sich Lehm noch auf andere Art auf die Wohngesundheit aus: Der Baustoff schirmt gegen hochfrequente elektromagnetische Strahlung, wie sie zum Beispiel Mobilfunksendeanlagen aussenden, ab. Andererseits wurde inzwischen auch bekannt, dass Lehm eine besonders hohe natürliche Radioaktivität aufweist – die aber weitestgehend im unbedenklichen Bereich liegt.

Lehm als Wärmespeicher

Lehm zählt zu den schweren Baustoffen, die in der Regel Wärme durch Sonneneinstrahlung speichern. So nutzen Sie Sonnenenergie passiv, wodurch Sie mit einem Lehmhaus Energie sparen. Durch Zusätze von Ziegel- oder Schamottmehl weist ein Lehmbau recht gute Dämmwerte auf.

Anwendungsgebiete von Lehmbaustoffen

Lehmbaustoffe müssen entsprechende Anforderungen in Bezug auf

  • Schallschutz
  • Brandschutz
  • Druckfestigkeit
  • Biegefestigkeit
  • Wärmedämmung

erfüllen. Zum Einsatz kommen deshalb verschiedene Lehmarten – je nach Verwendungszweck. Für Fußböden sowie für tragende und nichttragende Wände eignet sich Stampflehm sehr gut. Aber auch

  • Lehmschüttung
  • Wellerlehm
  • Lehmmörtel
  • Leichtlehm

können verwendet werden. Für Decke und Dacheindeckung kommen darüber hinaus auch Strohlehm und Lehmplatten in Frage.

Einsatzgebiete von Lehm – was Sie besonders beachten müssen

Bei der Lehmbauweise gilt es einiges zu beachten: Lehmwände müssen Sie während der Bauphase gegen Witterung absichern. Für Außenwände planen Sie im Gründungsbereich einen ausreichend hohen Sockel von mindestens 50 cm Höhe als Spritzwasserschutz ein. Bei der Holzständer- und Fachwerkbauweise sollten Sie bei Ausfachungen besonders aufpassen, dass die Füllungen stabil im Gefach sitzen und nach der Aushärtung nicht wackeln.

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