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Keine Zinstrendwende in Sicht

erschienen am 5/6/2016

Niedrige Hypothekenzinsen für solides Kreditfundament

  • Keine deutlichen Impulse am Markt, Kreditnehmer profitieren
  • EZB-Politik steckt den Rahmen für günstige Darlehen ab
  • Interhyp-Bauzins-Trendbarometer: Darlehen bleiben günstig

Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG: "Immobilienkäufer und Bauherren mit Finanzierungsbedarf haben in den vergangenen Wochen von der relativen Ruhe an den Finanzmärkten profitiert. Zusammen mit den Auswirkungen der weltweiten lockeren Geldpolitik der Zentralbanken treffen Kreditnehmer vor diesem Hintergrund auf ein äußerst erfreuliches, stabil günstiges Zinsumfeld. Seit Februar bereits vergeben viele Kreditinstitute Immobiliendarlehen mit zehnjähriger Zinsbindung zu Konditionen um rund 1,5 Prozent, zum Teil auch darunter. Häuslebauer müssen sich nicht von steigenden Zinsen unter Druck gesetzt fühlen. Die für das Interhyp-Bauzins-Trendbarometer befragten Experten rechnen auch in der nächsten Zeit nicht mit einer nennenswerten Zinswende."

(München, 6. Mai 2016) Anders als beim Aprilwetter mit seinem ständigen Auf und Ab ging es an den Märkten zuletzt beschaulich und ohne größere Turbulenzen zu. Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) am 10. März mit der historischen Zinssenkung deutliche Entschlossenheit zur Stimulation von Inflation und Konjunktur demonstrierte, weitete die EZB bei ihrer letzten Sitzung am 21. April ihre Politik des ultrabilligen Geldes zumindest nicht über die Erwartungen hinaus aus.

Schließlich erweist sich die wirtschaftliche Ausgangslage als nahezu unverändert. Zwar präsentierten sich die jüngsten Wirtschaftsdaten aus China etwas besser als erwartet - und der gestoppte Preisverfall beim Öl sowie vereinzelt positive Stimmungsindikatoren aus der Eurozone nähren die Zuversicht unter Anlegern. Doch damit die Konjunktur mit dem Frühling dauerhaft erblüht, müssten die Inflationsraten nachhaltig zulegen und die Arbeitslosigkeit in den EU-Ländern signifikant zurückgehen. Die Kursgewinne beim DAX und anderen europäischen Aktienindizes in den vergangenen Monaten reichen als Beweis nicht dafür aus, dass die geldpolitischen Maßnahmen insbesondere der europäischen Notenbank wirken.

Die im Rahmen des Interhyp-Bauzins-Trendbarometers befragten Experten sind sich vor diesem Hintergrund einig darüber, dass Baugeld in den nächsten Monaten günstig bleibt. Die Mehrheit erwartet, dass sich die Konditionen seitwärts entwickeln. "Das Renditeniveau für zehnjährige Bundesanleihen ist insgesamt weiterhin sehr gering und bewegt sich innerhalb vertrauter Bandbreiten zwischen 0,1 und 0,3 Prozent", heißt es bei der HypoVereinsbank. Und weiter: "Ein Ausbruch der Rendite aus dieser Bandbreite nach oben dürfte kurzfristig vor allem von den Markterwartungen hinsichtlich der amerikanischen Geldpolitik abhängen."

Die PSD RheinNeckarSaar zieht zur Einschätzung der kurzfristigen Zinsentwicklung vor allem die Notenbankpolitik heran und erklärt: "Angesichts der anhaltend expansiven Geldpolitik von Seiten der Währungshüter wird Baugeld mittelfristig weiter auf dem aktuell niedrigen Niveau verharren." Ähnlich schätzt die Sparkasse zu Lübeck die Situation ein. "Durch das weiterhin nur moderate Wachstum der Weltwirtschaft und die anhaltend expansive Geldpolitik der Europäischen Zentralbank sehen wir kaum Spielraum für einen Anstieg der langfristigen Kapitalmarktzinsen." Seitens der Allianz heißt es: "Die Datenlage zur Wirtschaft deutet weiter darauf hin, dass Zentralbanken die Liquidität hochhalten. Damit sind keine neuen Impulse für die Zinsentwicklung zu erwarten." Die MünchenerHyp prognostiziert ebenfalls eine Seitwärtsbewegung: "Nachdem die US-Zentralbank in der jüngsten Sitzung immer noch kein klares Signal für eine Zinserhöhung gegeben hat, erwarten wir auch für die nächsten vier Wochen keine grundlegende Neueinschätzung zur Zinsentwicklung."

Dieser Einschätzung schließt sich die Postbank an. "Das von der EZB im März beschlossene Maßnahmenpaket dürfte die Kapitalmarktzinsen in Deutschland noch für einige Zeit auf sehr niedrigem Niveau halten. Auch von der internationalen Seite ist nicht mit starken Impulsen zu rechnen, die die Renditen hierzulande in die Höhe treiben könnten. Insbesondere dürfte die US-Notenbank ihren Leitzins nur sehr vorsichtig anheben. Kurzfristig rechnen wir daher mit einem weitgehend unveränderten Renditeniveau", erklärt ein Postbank-Experte.

Die Commerzbank sieht vor allem die Rentenmärkte und den Anleiheankauf als ausschlaggebend an und sieht kurzfristig sogar eine Wahrscheinlichkeit für leicht fallende Konditionen: "Die globalen Wachstums- und Inflationserwartungen sprechen gegen einen baldigen Zinsanstieg. In den kommenden Monaten dürften die Zinsen in längeren Laufzeiten eher wieder fallen. Die US-Notenbank schiebt die nächste Zinserhöhung weiter vor sich her und ein Zinsschritt im Sommer erscheint zunehmend unwahrscheinlich. Die EZB hingegen hat jüngst das monatliche Volumen ihrer Anleihekäufe nochmal erhöht und weitet ihre Käufe ab Juni auf Unternehmensanleihen aus." Auch die ING-DiBa hält kurzfristig nachgebende Konditionen für möglich: "In den kommenden Wochen sollten enttäuschende Daten aus den USA, sowie neue politische Unsicherheit in Europa durch das britische Referendum und die wieder aufflammende Griechenland-Krise die Kapitalmarktzinsen eher wieder nach unten drücken."

Langfristig gehen die Marktteilnehmer von gleichbleibenden bis leicht steigenden Zinsen aus. "Sobald bessere Konjunkturdaten die Erwartung von höheren US-Leitzinsen unterfüttern, dürften auch die europäischen Rentenmärkte etwas mehr Gegenwind spüren. Zum Jahresende gehen wir davon aus, dass sich die Zinsen in längeren Laufzeiten auf den aktuellen Niveaus einpendeln", urteilt die Commerzbank. "Mittel- bis langfristig sprechen eine Reihe von Faktoren für ein zwar weiterhin niedriges, im Vergleich zur jüngsten Vergangenheit jedoch höheres Niveau", kommentiert die HypoVereinsbank die Situation und prophezeit einen Zinsanstieg. Auch die Postbank rechnet damit, dass "im späteren Verlauf des Jahres die Renditen am langen Ende des Kapitalmarktes ansteigen und damit auch die Zinsen für Hypothekendarlehen bei anhaltender konjunktureller Erholung im Euroraum, aber dies voraussichtlich nur sehr moderat."

 

Fazit

Wer eine Immobilie finanzieren möchte, muss vorerst keine Trendwende hin zu teuren Zinsen befürchten. Die Marktteilnehmer beurteilen das Niveau der Staatsanleihen, die ein wichtiger Indikator für den Preis des Baugeldes sind, vor dem aktuellen Marktgeschehen als nachvollziehbar. Sie gehen davon aus, dass die Renditen der Bundesanleihen weiterhin niedrig bleiben und sich in einem Korridor seitwärts bewegen. Auch die Politik der EZB hält die Baugeldzinsen kurz- bis mittelfristig tief. Auch langfristig geht die Mehrheit von günstigen Zinsen aus, wobei eine leichte Verteuerung insbesondere dann wahrscheinlich ist, wenn die amerikanische Notenbank weitere Zinserhöhungen durchführen sollte.

 Quelle: Interhyp

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