Neues aus der Welt des Bauens und Wohnens
Bild Dämmung

Nachteile der Fassadendämmung

erschienen am 12/2/2015

Seit Inkrafttreten der EnEV 2014 werden allenthalben die Vorteile der Fassadendämmung herausgestellt – auch bau-plus hat sich bereits mit diesem Thema beschäftigt. Dass vorgehängte hinterlüftete Fassaden nicht nur positive Eigenschaften haben, wird meist nicht klar herausgestellt – für uns Grund genug, auf die Nachteile und die Kritik an Fassadendämmungen einzugehen. 

Kosten schwer kalkulierbar

Eine Außendämmung stellt eine hohe Investition dar; zu den Materialkosten kommen Ausgaben für

  • Arbeitsstunden
  • Einrüstung
  • Eventuelle Veränderungen am Dachüberstand.

Weil die Montage auch von den Witterungsverhältnissen abhängt, sind die tatsächlichen Kosten im Voraus nur schwer festzulegen. Die dena (Deutsche Energie-Agentur) geht bei einem Einfamilienhaus von durchschnittlich 20.000 Euro und einer Energieeinsparung von ca. 30 % aus – damit würde sich die Fassadendämmung nach rund 14 Jahren amortisieren. Dem Eigentümerverein „Haus und Grund“ zufolge rechnet sich die Dämmung erst nach rund 50 Jahren – und dieser Zeitraum entspricht ziemlich genau der Lebensdauer einer Wärmedämmung.   

Baubehörde darf Veto einlegen

Nicht jeder Hausbesitzer, der sich für eine Fassadendämmung entscheidet, kann diese auch durchführen, denn Veränderungen an der Fassade sind in den meisten Fällen genehmigungspflichtig – das heißt, dass die jeweiligen Bebauungspläne zu berücksichtigen sind. Besonders bei denkmalgeschützten Gebäuden spielt dies eine wichtige Rolle: Durch Fassadendämmungen gehen in den meisten Fällen architektonische Besonderheiten des Gebäudes verloren, worunter auch die städtebauliche Qualität leidet. Unter Umständen legt also die zuständige Baubehörde ihr Veto gegen die Sanierungsmaßnahme ein. 

Weniger Licht im Haus

Gedämmte Fensterlaibungen sowie die erhöhte Gesamtdicke des Mauerwerks verringern den Lichteinfall ins Gebäudeinnere. Dieser sogenannte „Schießscharten-Effekt“ ist jedoch nicht der einzige Nachteil für die Wohnqualität – auch eine schlechte Ausführung und das verwendete Material können diese beeinträchtigen. 

Gefahr von Kondenswasser-Bildung

Wärmedämmverbundsysteme (WDVS) haben nur eine geringe Wärme-Speicherfähigkeit – sie halten die Wärme also nicht zurück, sondern dämmen die Fassade lediglich. Dadurch kommt es zu hohen Temperaturschwankungen: Tagsüber heizt sich das Material auf, in der Nacht kühlt es stark ab. Lagert sich im Dämmstoff Luftfeuchtigkeit ab, kondensiert sie – die Folge sind Bauschäden wie etwa Schimmel- und Algenbildung an der Außenwand. Hinzu kommt die Wärmedehnung des Materials, das zu einer Korrosion der Oberflächenbeschichtung führen kann. Die feuchten Wände bilden Wärmebrücken, verursachen erhöhte Heizkosten – und das WDVS bewirkt damit genau das Gegenteil dessen, was es bezweckt – nämlich eine Energieeinsparung. Probleme verursachen dabei vor allem die Anschlüsse der Fassade an Dach oder Sockel; auch Vögel, die sich in der Dämmschicht einnisten, können Löcher verursachen, durch die die Wärme nach draußen gelangt. 

Vorsicht bei Dämmung mit Styropor

Weil diffusionsoffene Baustoffe vergleichsweise teuer sind, verwendet man meist „dichte“ Isolierstoffe wie Styropor (Polystyrol), die langlebig und leicht zu verarbeiten sind. Dessen Effizienzschwelle liegt bei 5-10 cm; darüber steigt die Dämmwirkung nur unwesentlich. Die Dämmstoff-Industrie hingegen propagiert die Verwendung möglichst starker Dämmstoffplatten – schließlich sind diese für den Hausbesitzer deutlich teurer. Hinzu kommt, dass Styropor zwei wesentliche Nachteile mit sich bringt: Die Dämmung kann unter Umständen den Schallschutz verschlechtern und auch die Brandgefahr einer Styroporfassade ist höher als bei ungedämmten Fassaden: Im Brandfall breiten sich Flammen rasch über die gesamte Fläche aus und greifen dann auf andere Wohnungen über. Aus diesem Grund mischen viele Hersteller dem Polystyrol Brandschutzmittel wie Hexabromcyclododecan (HBCD) bei, dabei handelt es sich aber um gefährliche Gifte für die Umwelt. 

Umweltbelastung durch Dämmmaterialien

Auch wenn ein Wärmeschutz (ganz gleich, ob Einblasdämmung, WDVS oder VHF) im Lauf der Jahre viel Heizenergie einspart – der Energieeinsatz für die Herstellung der Dämmstoffe ist enorm. Außerdem enthalten die Dämmplatten wasserlösliche Biozide (z.B. Diuron und Terbutryn), die die Algenbildung verhindern sollen. Durch Regen- und Tauwasser werden diese Biozide jedoch ausgewaschen und in die Umwelt freigesetzt; dort reichern sie sich in Bächen und im Grundwasser an – eine zusätzliche Schadstoffbelastung für Flora und Fauna. 

Entsorgung schadet der Umwelt

Die aktuelle Energieeinsparverordnung (EnEV 2014) dient dazu, bis 2050 in Deutschland einen klimaneutralen Gebäudebestand zu erreichen; dieses Ziel umfasst auch den Einsatz von Baumaterial, aber: Das Dämmmaterial eines WDVS bzw. einer Einblasdämmung ist nicht recyclingfähig – dennoch muss es nach Ablauf der Lebenszeit irgendwie entsorgt werden. Ein Wärmedämmverbundsystem bedeutet in erster Linie Sondermüll, für den schlimmstenfalls neue Müllhalden geschaffen werden müssen. Insofern lässt sich also darüber streiten, ob Dämmen aus ökologischer Sicht tatsächlich sinnvoll ist. 

Ökologische Alternativen

Die gute Nachricht: Es gibt durchaus Alternativen zu konventionellen Dämmmaterialien. Nachwachsende Dämmstoffe wie etwa Hanf, Schilf, Stroh, Zellulose oder Holzspäne verfügen über ähnlich gute Eigenschaften; ihre Herstellung und Entsorgung ist deutlich umweltfreundlicher und die Verarbeitung unkompliziert. Leider sind diese Ökodämmstoffe kostenintensiver, sodass ihr Marktanteil in Deutschland bislang nur bei ca. 5 % liegt. Wer diese Ausgaben scheut, hat aber durchaus auch Alternativen zur Wärmedämmung der Fassade: Auch durch die Innendämmung des Kellers, eine Dachbodendämmung oder den Austausch Ihrer Heizung können Sie die Energieeffizienz Ihres Hauses merklich verbessern.

Urheber der Bilder:

nach oben
Menü