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Die kommende Energieeinsparverordnung - was ändert sich?

erschienen am 21.11.2012

Mit dem vermutlich für das 1. Quartal 2013 anstehenden Inkrafttreten der EnEV 2013 kommen für das Baugewerbe und nicht zuletzt die Bauherren zum Teil gravierende Änderungen und Verschärfungen zu. Noch ist die neue Energiesparverordnung nicht rechtskräftig. Aber soviel ist bereits zum heutigen Zeitpunkt klar: Die EnEV 2013 und alle in kurzen Zeitintervallen im Laufe der nächsten Jahre folgenden sind längst keine rein deutsche Angelegenheit mehr. Die anstehenden, künftigen Energiesparverordnungen sind weitgehend harmonisiert mit europäischen Vorgaben und Genehmigungsverfahren.

Novelle der EnEV in Vorbereitung

Die zuständigen deutschen Ministerien für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) auf der einen sowie Wirtschaft und Technologie (BMWi) als zweite zuständige Stelle haben ihren Entwurf zur Gesetzesnovellierung der Energiesparverordnung (EnEV) im Zuge des Gesetzgebungsverfahrens den Ländern und Verbänden zur Prüfung vorgelegt. Damit wurde die Aufforderung um Stellungnahme zum Entwurf bis zum 12. November 2012 verbunden. Auf diesem Wege wird die endgültige Gesetzesnovelle vorbereitet. Für Bauherren lohnt sich bereits im Vorfeld der abschließenden gesetzgebenden Verfahren in Bundestag und Bundesrat ein kritischer Blick auf die wichtigsten, anstehenden Veränderungen.

Verschärfung der Anforderungen an Neubauten

Die für das Frühjahr 2013 erwartete Gesetzesnovelle wird Gültigkeit für alle beheizten bzw. gekühlten Gebäude sowie Gebäudeteile erlangen  Ein Blick auf die vorliegende Entwurfsfassung der EnEV 2013 macht deutlich, dass der Gesetzgeber perspektivische Aspekte für den pfleglichen Umgang mit Energie bereits in Form von Stufenplänen eingearbeitet hat. Für Bauherren von großer Bedeutung sind die für die kommenden Jahre bereits verbindlich aufgelisteten Staffelungen bei den Energiesparvorgaben. Drei neu hinzu gekommene, gewichtige Vorgaben verdienen es, an dieser Stelle besonders deutlich herausgehoben zu werden. In ihrer Verknüpfung ergeben sich nämlich für Bauherren und Bauplaner drastisch veränderte Vorgaben für die Konzeption künftiger Neubauten - mit Auswirkungen auf die künftigen Baukosten.

  1. Die Neudefinition der Gesamt-Energieeffizienz, d. h. der sogenannten "primärenergetischen Anforderungen" kommt mit der Gesetzesnovellierung in zwei Stufen zum Tragen: 12,5 Prozent ab 2013 und 25 Prozent ab 2016.
  2. Erhöhte Anforderungen an den spezifischen Transmissions-Wärmeverlust von Gebäudehüllen machen aufwendige Vorkehrungen beim Neubau erforderlich.
  3. Reduzierung des Primärenergie-Faktors von Strom auf zunächst 2,0, ab 2016 auf 1,8.

Diese Gesetzesauszüge machen deutlich, dass Bauherren bei anstehenden und künftigen Neubauten mit einem qualitativ drastisch erhöhten Anforderungsprofil konfrontiert werden. Der Gesetzgeber beschreitet mit der schrittweisen Verschärfung der Bauvorgaben "ab sofort" den Weg hin zum für 2021 angestrebten Standard des Niedrigstenergiehauses. Eine eher beruhigende Nachricht für Bauherren betrifft die Modernisierung von Gebäuden. Hier sieht die Energieverordnung keine neuen oder erweiterten Nachrüstpflichten vor. Entsprechende Vorstöße konnten abgewendet werden.

EnEV 2013: Erhöhte Kosten und Zukunftschancen

Bauherren ist zu empfehlen, die EnEV 2013 in alle aktuellen Bauplanungen mit einzubeziehen. Die neuen Vorgaben bergen Chancen und Risiken. Auf der einen Seite führt der zu erwartende Kostendruck mancherorts, vor allem in Ballungsgebieten, zu Kopfzerbrechen. Nach Berechnungen erfahrener Bauexperten werden die zu erlassenden neuen Vorgaben der EnEV die Kosten für Neubauten ab dem Jahr 2014 um mehr als vier Prozentpunkte in die Höhe treiben. Damit nicht genug: Bereits 2016 führt die Folgestufe bei den Vorgaben zur Energieeffizienz zu einer nochmaligen Verteuerung um mehr als sechs Prozent. Neubauten zur späteren Vermietung könnten - so befürchten Immobilienfachleute - in der Folge zu unbezahlbaren Mietpreisen führen. Experten für moderne, energieeffiziente Baustoffe beruhigen besorgte Bauherren jedoch mit dem Hinweis auf neu entwickelte Dämmziegel. Die neuen Materialien bergen nicht nur die geforderten Einsparpotenziale gemäß der neuen Gesetzesnovelle, sie geben dem Bauherren auch die Möglichkeit, sein neues Passivhaus zu etwa gleichen Gestehungskosten wie beim konventionellen Hausbau zu erbauen.Entwarnung an die Adresse der Bauherren kommt auch von Banken und Finanzberatern. Nie waren Baufinanzierungen günstiger als zu Zeiten der andauernden europäischen Finanz- und Staatsschuldenkrise. Hypothekenzinsen haben einen neuen Tiefststand erreicht, und Bauherren tun sich dank des spektakulär billigen Geldes leichter, ihr Bauvorhaben zu stemmen.

Einsparpotenziale in der täglichen Nutzung

Doch das Bild gewinnt für Bauherren erst dann an Konturenschärfe, wenn die für den Neubau geltenden, neuen Vorschriften im Alltagsbetrieb ihre positive Wirkung entfalten. Jedes neu erbaute Einfamilienhaus und Miethaus ist auf Energieersparnis getrimmt, denn die verordneten Energieeinsparungen beim Baukörper und der Heizung machen es fast zum Passivhaus. Äußerst geringe Heizkosten führen in der täglichen Nutzung zu nachhaltigen, massiven Kostenersparnissen bei den Heizkosten. Von diesen Segnungen profitiert nicht nur die Umwelt, sondern auch Bauherren, Eigentümer und Mieter. Fazit: Das Glas für den Bauherren ist nicht halb leer, sondern halb voll!

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