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Fertighauswand an Kran

Fertighaus oder Individualbau?

erschienen am 12.05.2012

„Billige Qualität, Einheitsbrei, schlechter Wiederverkaufswert!“ Diese Vorurteile halten sich hartnäckig, wenn der Begriff Fertighaus fällt. Doch was spricht die Faktenlage? Bringt eine Hausplanung und -durchführung mit einem Architekten- oder Planungsbüro wirklich so viele langfristige Vorteile?

Fertighaus nur von der Stange?

Wahr ist, dass ein Fertighaus direkt von einem Katalog aus gekauft werden kann. Doch da endet auch schon die Vereinheitlichung. Fertighäuser zeichnen sich entgegen der landläufigen Meinung durch eine Vielzahl von Variations- und Entscheidungsmöglichkeiten aus. Zuerst einmal existieren eine Vielzahl von Hausvarianten, beginnend vom frei stehenden Einfamilienhaus über Bungalows bis hin zum mehretagigen Mehrgenerationenkomplex. Durch die Vielzahl von Anbietern kann der zukünftige Bauherr auswählen an Form, Größe, Hausstil und Materialien. Er kann den Bau eines reinen Holzhauses in Auftrag geben, wie auch eines Massivhauses aus klassischen Ziegeln. Hinsichtlich der Hausform und des Baustils sind somit eher nur preisliche Grenzen gesetzt. Des Weiteren sind bei Fertighäusern hinsichtlich der räumlichen Gestaltung auch kaum Grenzen gesetzt. Jedoch sind derartige Anpassungen manchmal mit Kostenaufschlägen verbunden. Es wird deshalb geraten, einen Haustyp auszuwählen, bei dem die Raumaufteilung am ehesten den eigenen Vorstellungen entspricht. Als letztes Argument gegen den Vorwurf der Vereinheitlichung sprechen die Vielzahl an Individualentscheidungen. Diese reichen von der Wahl Keller oder Bodenplatte bis zur spezifischen Entscheidung hinsichtlich Fliesen, Bodenbeläge, Türen und Fenster. Selbst bei Türgriffen kann ein Fertighauskäufer eigene Akzente setzen. Es bieten sich somit eine Vielzahl von persönlichen Gestaltungsmöglichkeiten.

Ein weiterer Vorteil, welcher für die Wahl eines Fertighauses spricht, ist die Rundumbetreuung. Anstelle von vielen einzelnen Handwerksbetrieben hat man nur einen Ansprechpartner, welcher den Bauherren von der Bauplanung bis zur Schlüsselübergabe betreut. Dies spart oft Zeit und reduziert den Stress. Dieser Vorteil kann jedoch auch in einen Nachteil ausarten, wenn ein Bauunternehmen Konkurs geht oder mangelhaft arbeitet. In beiden Fällen stehen vorerst keine Alternativen zur Verfügung.

Festpreis statt Gebührenordnung für Architekten (HOAI)

Schlussendlich zeichnen sich Fertighäuser dadurch aus, dass eine Festpreisvereinbarung möglich ist. Der zukünftige Häuslebauer hat somit die Möglichkeit, von konkreten Kalkulationen ausgehend, klare Finanzierungsoptionen abzuklären. Dabei ist unbedingt zu beachten, dass alle Kosten in die Kalkulation aufgenommen werden müssen, somit auch diejenigen, welche im Fertighausbau nicht enthalten sind, wie Anschlüsse, Maklergebühren, Notarkosten oder ggf. Außenanlagen.

Wenn jedoch ein Fertighaus soviel individuellen Spielraum besitzt und so viele Vorzüge aufweist, was spricht dann für die Beauftragung eines Architekten- oder Planungsbüros? Zunächst kann noch individueller auf die persönlichen Wünsche eingegangen werden. Eigene Vorstellungen können ohne Aufpreis bereits in der Planungsphase mit eingearbeitet werden. Dies zeigt sich in der Regel auch im Wiederverkaufswert, wo häufig höhere Verkaufswerte erzielt werden. Der entschiedenste Vorteil liegt jedoch in der Option der Kostenersparung durch Einzelausschreibungen. Indem ein Architekten- oder Planungsbüro die einzelnen Gewerke direkt vergibt, können Aufwendungen für Zwischenhändler ausgeschaltet werden. Gleichzeitig ist eine gewisse Gewähr für Qualitätsbetriebe gegeben, da oft nur Unternehmen angeschrieben werden, welche schon seit Jahren eine gute Zusammenarbeit garantieren. Es ist jedoch anzumerken, dass es bei den Ausschreibungen nicht immer zu den kalkulierten Kosten kommt. Im ungünstigsten Fall kann es bei Hochkonjunktur auch zu erheblichen Mehraufwendungen kommen trotz Einzelausschreibung. Hinzu kommen dann noch die Kosten für das Architektur- oder Planungsbüro.

Das Fazit der Betrachtung zeigt auf, dass ein individuell geplantes Haus zwar einen in der Regel höheren Wiederverkaufswert aufweist, jedoch auch ein höheres Risiko hinsichtlich der Kostenkalkulation in sich birgt. Fertighäuser sind heutzutage nicht mehr der Einheitsbrei und qualitativ besser als ihr Ruf. Ein konkreter Vergleich lohnt sich auf jeden Fall. 

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