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Zinsen noch weiter nach unten?

erschienen am 2/5/2016

  • Bestkonditionen für zehnjährige Darlehen bei rund 1,1 Prozent
  • EZB-Ankündigungen und Ölpreisverfall sprechen für niedrige Konditionen
  • Interhyp-Bauzins-Trendbarometer: kurzfristig auch fallende Zinsen möglich, langfristig werden steigende Zinsen erwartet

Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG: "Wer angesichts der hohen Nachfrage bei Immobilien ein geeignetes Objekt findet und kaufen möchte, kann sich über günstige Zinsen bei der Finanzierung freuen. Im Januar haben die Konditionen für Immobilienkredite nochmals nachgegeben. Die Zinsen für zehnjährige Darlehen liegen oft bei rund 1,4 Prozent, die Bestkonditionen liegen zum Teil auch bei rund 1,1 Prozent pro Jahr oder noch tiefer. Damit ist das Rekordtief vom Frühjahr vergangenen Jahres fast wieder erreicht. Verursacht wurde der neueste Zinsrutsch vor allem durch die Ankündigung der Europäischen Währungshüter über neue Maßnahmen der Geldpolitik, nachdem Inflation und Konjunktur sich noch nicht wie erhofft entwickelt haben. Nach Auffassung der für unser aktuelles Bauzins-Trendbarometer befragten Experten bleibt das Zinsumfeld in den nächsten Wochen und Monaten insgesamt günstig. Allerdings gibt es unterschiedliche Auffassungen, ob es Zinsausschläge nach oben oder nach unten gibt. Einige Experten halten kurzfristig noch fallende Zinsen für möglich. Die aktuellen Indikatoren und Wirtschaftszahlen erweisen sich als nicht eindeutig genug, um eine klare Richtung zu erkennen."

(München, 4. Februar 2016) Sparer und Kreditnehmer müssen auch in diesem Jahr gleichermaßen auf die Worte und Taten der Notenbanker rund um EZB-Chef Mario Draghi blicken. Während Sparer unter der Nullzinspolitik leiden, weil sie keine Zinsen für ihre Guthaben erhalten, profitieren Kreditnehmer vom Kampf der Zentralbanker gegen die niedrige Inflation, weil Kredite extrem billig sind. Im Augenblick sieht es so aus, als ob Sparer weiterhin das Nachsehen haben werden. Zur ersten Sitzung des neuen Jahres hat die Europäische Zentralbank (EZB) neue geldpolitische Maßnahmen in Aussicht gestellt. Entsprechend gespannt blicken Marktteilnehmer schon heute auf die nächste Sitzung der Notenbanker am 10. März. Die Begründung für eventuelle weitere Maßnahmen findet sich unter anderem im deutlich nachlassenden Wirtschaftswachstum in China, das die europäische Konjunkturerholung empfindlich schwächen könnte. Darüber hinaus hat der Ölpreisverfall den Währungshütern einen Strich durch die Rechnung steigender Preise gemacht. Der Ölpreis ist im Januar auf den niedrigsten Stand seit elf Jahren gefallen und hat die Inflationsrate ebenso mit auf Talfahrt genommen. Die EZB befürchtet nun wieder eine negative Teuerungsrate, nachdem sich diese zuletzt wieder leicht ins Plus gedreht hatte.

Die im Zuge des Interhyp-Bauzins-Trendbarometers befragten Experten schauen vor allem auf die EZB, um die kurzfristige Zinsentwicklung abschätzen zu können. "Die EZB hat auf ihrer jüngsten Pressekonferenz eine gewisse Bereitschaft für weitere Lockerungsmaßnahmen gezeigt; deshalb ist kurzfristig eher wenig Zinssteigerungspotenzial im Euro-Raum gegeben", erklärt ein Experte der MünchenerHyp. Ähnlich äußert sich die Sparkasse zu Lübeck: "Mit Blick auf die von der EZB weiter verfolgten geldpolitischen Maßnahmen, niedriger Inflation sowie eines geringen Wirtschaftswachstums in der gesamten Eurozone sehen wir mittelfristig keine ausgeprägten Tendenzen für steigende Zinsen." Für den Experten der ING-DiBa ist neben den europäischen Währungshütern der Blick über den Atlantik nicht weniger wichtig: "Der starke Fall der Ölpreise und die anhaltende Konjunkturschwäche Chinas haben die Aussichten für die Weltwirtschaft weiter verschlechtert. Vor allem in den USA könnte das zu einer starken Veränderung der erwarteten Geldpolitik führen. Mittlerweile ist selbst ein komplett unveränderter Leitzins für dieses Jahr nicht mehr auszuschließen. In den kommenden Wochen sollten negative Konjunkturzahlen diese Spekulation weiter füttern und damit noch weiteren Druck auf die Kapitalmarktzinsen ausüben."

Auch nach Auffassung der Postbank hat die Europäische Zentralbank "klare Hinweise gegeben, dass der EZB-Rat auf seiner Sitzung im März weitere expansive geldpolitische Maßnahmen beschließen könnte. Dies hat die Renditen am Kapitalmarkt nochmals gedrückt. Solange die Aussicht besteht, dass die EZB noch expansiver wird, ist auch nicht mit einer nachhaltigen Trendwende der Kapitalmarktzinsen nach oben zu rechnen." Die Commerzbank hält angesichts der aktuellen Lage sogar fallende Zinsen für möglich: "Die Finanzierungsbedingungen dürften sich in den kommenden Wochen weiter verbessern. Niedrige Ölpreise und anhaltende Sorgen über die chinesische Wirtschaft lassen bei den Notenbanken Zweifel aufkommen, ob die Inflation wie erwartet steigt. So ist der Markt zunehmend skeptisch, dass die US-Notenbank die Zinsen weiter deutlich normalisieren kann. Gleichzeitig hat die japanische Notenbank erstmals Strafzinsen auf die Überschussreserven der Geschäftsbanken eingeführt und damit die Spekulationen angefacht, dass die EZB den Einlagensatz im März stärker senken könnte."

Die HypoVereinsbank sieht das aktuelle Zinstief bei Immobiliendarlehen im Rückgang der Bundrenditen begründet: "Mit dem jüngsten Rückgang der Bundrenditen sollte der Markt sein Tief erreicht haben. Auf einem Renditeniveau von 0,35 Prozent für zehnjährige Bundesanleihen dürften der Ölpreisrückgang, die dadurch anhaltend niedrige Inflation sowie die Erwartung weiterer Maßnahmen durch die EZB Anfang März ausreichend eingepreist sein. Weitere Renditerückgänge bergen das zunehmende Risiko einer starken Korrektur, wie sie im Frühjahr 2015 zweimal beobachtet werden konnte." Summa summarum gehen 50 Prozent in den nächsten Wochen von gleichbleibenden Konditionen aus, wobei 40 Prozent nochmals fallende Zinsen und 10 Prozent steigende Zinsen für möglich halten.

Fazit

Die zentrale Frage für Immobilienkäufer lautet weiterhin: Wie werden sich Konjunktur und Inflation entwickeln? Solange es in der Eurozone an klaren Wachstumsbeweisen fehlt und die Teuerungsrate weit unter den angestrebten rund zwei Prozent liegt, können Immobilienkäufer von günstigen Zinsen ausgehen. Auch die Zinspolitik der amerikanischen Notenbank wird über die Entwicklung beim Baugeld mitentscheiden. Immobilienkäufer, Bauherren und Eigenheimbesitzer sollten die derzeit positiven Finanzierungsbedingungen für sich nutzen.

Quelle: Interhyp

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