Neues aus der Welt des Bauens und Wohnens
Trockene Keller

Keller? Wenn ja, dann trocken!

erschienen am 2/21/2012

Keller begleiten als Vorrats- und Stallgeschoss sowie als Schutzraum die Baugeschichte. Kellerräume sind, da sie in der Regel ganz oder mit großen Teilen Ihrer Geschoßhöhe unter dem Niveau des vorhandenen Geländes liegen, auf natürliche Weise temperierte Räume  - im Sommer werden sie durch das an der Bodenplatte und den Außenwänden anstehende Erdreich gekühlt, im Winter werden sie durch die Bodentemperatur, die bei  etwa 6-7 °C liegt auf Raumtemperaturen oberhalb der Frostgrenze gehalten. Beide Aussagen gelten nur,  wenn nicht durch Lüftungsvorgänge eingegriffen wird.

Kellerräume sind aufgrund ihrer Temperatur und ihrer Anbindung an das umgebende Erdreich, von dem sie nur die Bodenplatte und die Außenwände trennen, normalerweise feuchter als Räume oberhalb der Erdgleiche.  Die Gründe liegen in den niedrigeren Raumlufttemperaturen,  bzw. der daraus resultierenden höheren relativen Luftfeuchte, und dem Feuchteeintritt über die Außenbauteile, die Bodenplatte und die Wände. Der Begriff Feuchteeintritt wurde ganz bewusst gewählt, der Verfasser versteht darunter den gasförmigen Feuchtetransport durch die Außenbauteile. Dies ist bitte nicht zu verwechseln mit dem Eindringen von Wasser in flüssiger Form durch Fugen, Risse, Kellerwand- und Kellerbodenöffnungen  oder in der Fläche.

Bei einer rein auf  Vorratshaltung vorgesehenen Nutzung kann eine höhere Feuchtigkeit in den Kellerräumen akzeptiert als bei einer Nutzung als Lagerraum für hochwertige Lagergüter (Bekleidung, Dokumente) oder bei wohnraumähnlicher bzw. Wohnraumnutzung. Bei derartigen Nutzungen besteht bei Feuchtebelastung der Raumluft ein erhöhtes Risiko für Schimmelwachstum.  Mittlerweile sind solch hochwertige Nutzungen im Kellergeschoß eher die Regel, denn die Ausnahme. Bei Neubauten kann die Planung für den Keller bereits solch hochwertige Nutzungen berücksichtigen, bei Nutzungsänderungen im Bestand (z.B. Vorratskeller zu Arbeits- oder Gästezimmer) kommt es häufig zu Problemen. 

Das Kellergeschoss bindet mit einem großen Teil seiner äußeren Hülle in den Baugrund ein. Diese Außenflächen stehen im direkten Kontakt mit der Feuchtigkeit des angrenzenden Bodenmaterials. Wie feucht diese Bodenmaterial ist, hängt maßgeblich von seiner Beschaffenheit ab. Sandige und kiesige Böden sind trockner als bindige Böden mit Lehm- und Tonanteilen. Sand und Kies lassen, diese Erfahrung haben wir alle im Sandkasten schon gemacht, das Wasser sehr schnell versickern, während Lehm und Tonmaterial lange feucht bleiben und Wasser fast gar nicht versickern lassen.

Es gibt keinen trockenen Baugrund, auch bei reinen Sand- und Kiesboden, ist eine gewisse Grundfeuchte vorhanden. Solange kein weiterer Wasserzutritt erfolgt spricht man in Fachkreisen von Bodenfeuchtigkeit.

Ein weiterer Einflussfaktor ist also der tatsächlich gewachsene Boden. Eine Baugrubenverfüllung mit zugeliefertem kiesigen Material in einem ansonsten stark bindigen Baugrund schafft eine künstliche Wannensituation. Regenwasser kann in der Baugrubenverfüllung selbst schnell versickern, kommt aber nur bis zur Kontaktfläche mit dem gewachsenen Baugrund. Dort, im bindigen Boden, versickert es wesentlich langsamer. Das Sickerwasser beginnt sich aufzustauen; der Wasserspiegel  innerhalb der verfüllten Baugrube steigt an. Je höher das Wasser in der Baugrube steigt, umso höher wird der hydrostatische Druck, den das Wasser auf die Kelleraußenhülle und auf die Fugen in dieser Außenhülle ausübt. 

Damit der Keller in einer derartigen Situation, wie sie in Hanglagen fast immer und in der Ebene nach jedem stärkeren Regenschauer eintreten kann, trocken bleibt, sind Abdichtungsmaßnahmen erforderlich. Wurden beim Baugrubenaushub temporär wasserführende Schichten angeschnitten ist die Situation ähnlich. Diese Sand- und Kiesschichten sind normalerweise nur nach stärkeren Regenfällen wasserführend, transportieren dann aber große Mengen Wasser, die sich in Baugruben sammeln.

Je nach Drainagesituation spricht man von temporär aufstauendem Sickerwasser oder von drückendem Wasser. „Bodenfeuchtigkeit“, „temporär aufstauendes Sickerwasser“ und „drückendes Wasser“ sind die Lastfälle, die die Abdichtungsnorm DIN 18195 benennt. Grundlegende Feststellungen zur Feuchtesituation im Baugrund, zur Lage wasserführender Schichten und zur Höhenlage des Grundwasserspiegels lassen sich nur durch ein umfassendes Baugrundgutachten gewinnen.

Die Kellerabdichtung muss, soll sie dauerhaft funktionieren, auf den höchsten anzunehmenden  Lastfall ausgelegt sein. Dies betrifft den Wasserzutritt in flüssiger Form. Bei hochwertiger Nutzung, als Lagerraum für hochwertige Sachgüter oder Dokumente oder bei wohnraumähnlicher oder Wohnraumnutzung, ist die Abdichtung darüber hinaus auch dicht gegen einen Wasserdampfdurchtritt auszuführen.

Kellerabdichtungen werden in Form von Abdichtungsbahnen, von Abdichtungsbeschichtungen und Abdichtungsschlämmen angeboten. Eine weitere Form, die nur bei Stahlbetonkellern Anwendung findet, ist die sog. „Weiße Wanne“.

Abdichtungsmaßnahmen sind zu planen, diese Planung ist Bestandteil der üblichen Werk- und Detailplanung des Architekten, des Generalunternehmers  oder des Bauträgers.

Eine, sei sie mittels Abdichtungsbahn, Bitumendickbeschichtung oder Dichtungsschlämme aufgebrachte Abdichtungsschicht muss auf den Untergrund abgestimmt sein. Unter Umständen sind Vorarbeiten, z.B. Egalisierungsputz, Voranstrich, Spachtelungen, notwendig, um eine geeignete Oberfläche herzustellen. Gerade bei gemauerten Kelleraußenwänden, aber auch bei Betonwänden mit schlechter (rau, uneben) Oberflächenqualität ist dies der Fall. Dabei ist der Übergang Bodenplatte Außenwand mit besonderer Sorgfalt auszuführen.  Es empfiehlt sich die Abdichtungsarbeiten durch ein Fachunternehmen durchführen zu lassen, denn eine funktionierende Abdichtung verlangt  mehr als nur schwarze Pampe an die Wand zu schmieren.

Inwieweit Sie als Bauherr oder Käufer die Abdichtungsarbeiten selbst überwachen wollen, bleibt Ihnen überlassen. Eine speziell auf die Abdichtung bezogene Teilabnahme empfiehlt sich auf jeden Fall vor Durchführung der Verfüllarbeiten. 

Bei der Ausführung des Stahlbetonkeller in der Bauweise weiße Wanne wird die Abdichtung über die Mindestdicke der Bauteile (Bodenplatte min. 25 cm, Wände min. 24cm), einem höheren auf Rissbreitenbeschränkung ausgelegten Bewehrungsgrad (mehr Baustahl) in Bodenplatte und Außenwänden, einer geeigneten Betonrezeptur, einer Fugenausbildung mit Fugenbändern- oder – blechen und einer Betonnachbehandlung erreicht. Hinzu muss - bei  hochwertiger Nutzung oder hochwertigem Kellerausbau – eine außenliegende Beschichtung kommen, die einen Dampfdurchtritt durch die Wände verhindert. Eine Abdichtung oder die hautbildende und dampfsperrende Beschichtung auf einer Stahlbetonaußenwand eines Kellers muss vor Beschädigung im Zuge der Baugrubenverfüllung und der weiteren Bauarbeiten geschützt werden. Dies kann durch eine vorgestellte Wärmedämmung in Kombination mit einer Noppenfolie mit Gleitschicht erfolgen.

Die Stahlbeton-Bodenplatte muss zwingend auf einer kapillarbrechenden Schicht aus nichtbindigem Material, der sogenannten Filterschicht, aufliegen. Bei aufstauendem Sickerwasser ist die Bodenplatte mit ausreichender Plattendicke, d.h. min 25cm dick, auszuführen.

Die Anordnung einer Kunststoffbahn, z.B. PE-Baufolie oder Noppenbahn, unter der Bodenplatte wirkt ebenfalls kapillarbrechend, ist aber keine Abdichtung im Sinne  der Abdichtungsnorm DIN 18195.

Beim Lastfall  drückendes Wasser ist die Bodenplatte unterseitig abzudichten oder sie wird bei Bauweise weißer Wanne mit ausreichender Plattendicke und großer handwerklicher Sorgfalt ausgeführt. Die Anordnung einer Dichtungsbahn unter dem Bodenaufbau ist unbedingt anzuraten.

Schimmelbildung im Kellergeschoss ist, sofern keine Abdichtungsmängel vorliegen, normalerweise ein Sommerproblem.  Dem kann man als Nutzer und Eigentümer  durch angepasstes Lüftungs- und Heizverhalten begegnen. Kellerfenster in der warmen Jahreszeit tagsüber verschließen und nur in den frühen Morgenstunden, wenn die Außenluft noch kühl ist, die Fenster zum Lüften öffnen. Räume die zur Lagerung hochwertiger Sachgüter oder Dokumenten dienen sollten auch über die warme Jahreszeit temperierbar, bzw. beheizbar sein. Je höher die relative  Luftfeuchte der Raumluft, umso größer ist das Risiko einer Schimmelbildung.   Diese rel. Luftfeuchte ist durch Regulierung der Raumtemperaturen zu beeinflussen.

Da Heizanlagen im Normalfall im Sommer abgeschaltet werden, d.h. der normale Wärmerzeuger im Normalfall nicht zur Verfügung steht, kann man über die Montage eines zusätzlichen Elektroheizkörpers oder den Einbau von Elektroheizstäben in die in diesem Räumen angeordneten Heizkörper nachdenken. Die Steuerung der Elektroheizung bzw. der Heizpatrone kann und sollte in Abhängigkeit von der Raumluftfeuchte erfolgen. Diese Forderung nach sommerlicher Temperierbarkeit gilt ebenso für Wohnräume, die im Keller vorgesehen sind.

Ungeachtet dessen wird das Kellergeschoss immer das kühlste Geschoss eines Hauses bleiben. Ein luftfeuchteunempfindlicher Ausbau, d.h. Kalkzementputz an den Wänden, Zementestrich im Bodenaufbau, keramische Bodenbeläge, diffusionsoffener Putzoberflächen an Wand – und Deckenoberflächen (anstatt Tapeten) tragen wesentlich dazu bei, feuchtebedingte Schäden zu vermeiden.

Demnächst kommen weitere Beiträge zur nachträglichen Kellerabdichtung und zu Drainageanlagen.

Sie haben Anregungen zu meinen Portalbeiträgen oder Fragen? 

Bitte nutzen Sie das Kontaktformular auf meiner Homepage: www.bauberatungbernau.de.

Bernau, im Februar 2012

Dipl.-Ing. (FH) Marc Ellinger

Bild: de.photos.com, Fotograf: Sandra Kourey 

Bildrechte:

  • Sandra Kourey
nach oben
Menü