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Ruhigeres Fahrwasser für Bauzinsen

erschienen am 3/4/2016

Hohe Erwartungen an EZB - niedrige Zinsen für Bauherren

  • Kredite für zehnjährige Darlehen fast auf historischem Tief
  • leichte Erholung an den Börsen, Inflation noch immer niedrig
  • Interhyp-Bauzins-Trendbarometer: Kurzfristig Schwankungen möglich

Michiel Goris, Vorstandsvorsitzender der Interhyp AG: "Wie von einigen Experten erwartet, haben die Konditionen für Immobilienkredite im Februar noch einmal leicht nachgegeben. Viele Kreditnehmer können Kredite mit zehnjähriger Zinsfestschreibung für rund 1,3 Prozent pro Jahr aufnehmen, bei Bestanbietern und hohen Eigenkapitalanteilen auch noch günstiger. Für den anhaltenden Zinsrutsch waren zuletzt weniger Fundamentaldaten verantwortlich. Diese sind weder grundlegend schlechter noch besser als in den vergangenen Wochen und Monaten. Vielmehr standen zuletzt zehnjährige deutsche Bundesanleihen im Fokus der Investoren, dass deren Renditen, die ein wichtiger Indikator fürs Baugeld sind, weiter gesunken sind. Darüber hinaus erwarten viele Marktteilnehmer von der Europäischen Zentralbank (EZB) am 10. März weitere deutliche Stimuli. Die Erwartungen an die Währungshüter sind ambitioniert und vom Markt bereits größtenteils eingepreist. Die im Interhyp-Bauzins-Trendbarometer befragten Experten rechnen kurzfristig mit gleichbleibenden oder fallenden Zinsen, langfristig eher mit einem moderaten Anstieg."

(München, 3. März 2016) Nachdem das Jahr turbulent gestartet war, ging es an den Märkten im Februar etwas ruhiger zu. Die Aktienkurse haben sich weltweit erholt. War der DAX zwischenzeitlich auf unter 9.000 Zähler gerutscht, notiert er aktuell wieder bei über 9.500 Punkten. Auch Euro-Stoxx und Dow Jones konnten in derselben Zeit um rund zehn Prozent zulegen und einen Teil der Kursverluste wettmachen. Der an den Börsen scheinbar zurückkehrende Optimismus sollte jedoch nicht über die Fakten hinwegtäuschen. Die Konjunkturdaten aus China bleiben verhalten und in den USA mehren sich die Anzeichen für Rezessionsrisiken. Und Europa steht demnächst ebenfalls eher ein kalendarischer Frühling statt ein konjunkturelles Erwachen ins Haus. Das untermauern die jüngsten Inflationszahlen. Die Jahresteuerung liegt deutlich unter der Zielmarke der Europäischen Zentralbank. Insbesondere der Ölpreis-Verfall, der immerhin gestoppt scheint, hält die Inflation niedrig. Die niedrige Teuerungsrate nährt die Zweifel an der Wirkung der Maßnahmen der EZB, die ihr umstrittenes Anleihen-Kaufprogramm im Dezember auf 1,5 Billionen Euro ausgeweitet hatte, um die Konjunktur anzuheizen. Bei allen Zweifeln hoffen die Märkte dennoch, dass die Notenbanker ihre Geldpolitik noch weiter lockern. Ob sich Baugeld dadurch nochmals verbilligt, darüber sind sich die im Rahmen des Interhyp-Bauzins-Trendbarometer befragten Experten vor allem mit Blick auf die nächsten Wochen uneinig.

"Die Erwartungen, dass seitens der EZB geldpolitische Lockerungsmaßnahmen anlässlich der nächsten Sitzung verkündet werden, haben zugenommen und beispielsweise den Bund-Future auf neue historische Hochs geführt. Ob Mario Draghi allerdings die bereits eingepreisten Erwartungen der Marktteilnehmer nochmals toppen kann, halten wir für schwierig - deshalb wird der Spielraum für noch niedrigere Zinsen - vor allem nach der EZB-Sitzung am 10. März - eher gering sein", heißt es etwa seitens der MünchenerHyp. Der Experte der HypoVereinsbank beurteilt die Lage ähnlich. Ausschlaggebend für die kurzfristige Tendenz bei den Hypothekenzinsen seien die Geldpolitik und deren Auswirkungen auf die weitere Entwicklung der Bundesanleihen. "Die Rendite mit langer Laufzeit (10-jährige Bundesanleihe) ist kurz davor, ihr Tief von 0,05 Prozent aus dem Frühjahr 2015 zu unterbieten. Wir erachten den Renditerückgang der vergangenen Wochen als überzogen und fundamental nicht mehr gerechtfertigt", so die HypoVereinsbank. "Die Gefahr eines scharfen Kursrückschlags (also eines scharfen Renditeanstiegs), wie Anfang Mai und Anfang Juni 2015 erlebt, steigt. Auslöser hierfür könnte die EZB-Ankündigung am 10. März sein, falls die Beschlüsse des EZB-Rates die (wie aus den niedrigen Renditen hervorgeht) hochfliegenden Erwartungen einiger Marktteilnehmer nicht erfüllen." Kurzfristig beurteilt der Experte der Commerzbank die Situation für Kreditnehmer anders: "Die Finanzierungsbedingungen dürften sich in den kommenden Wochen weiter verbessern." Die Erwartungen der EZB zu Inflation und Wachstum erscheine deutlich zu optimistisch. "Da das Inflationsziel damit in weitere Ferne rückt, dürfte die EZB ihre Geldpolitik Mitte März weiter lockern und dabei den Einlagensatz der Banken tiefer in den negativen Bereich senken und möglicherweise die Käufe von Staatsanleihen ausweiten. Die US-Notenbank hingegen dürfte ihre nächste Zinserhöhung zunächst weiter verschieben." Weder steigende noch fallende Konditionen erwartet die PSD RheinNeckarSaar. "Die anhaltenden politischen Risiken zusammen mit konjunkturellen Unsicherheiten werden uns noch einige Zeit begleiten - vor diesem Hintergrund gehen wir weiterhin von keinen nennenswerten Impulsen am Markt für Hypothekenzinsen aus." Auch die Postbank erwartet kurzfristig eher gleichbleibende Zinsen: "Nicht zuletzt aufgrund verschiedener Äußerungen von EZB-Präsident Draghi und weiteren EZB-Ratsmitgliedern haben sich in den vergangenen Wochen die Anzeichen verdichtet, dass der EZB-Rat auf seiner Sitzung am 10. März zusätzliche geldpolitische Lockerungsmaßnahmen beschließen dürfte. Im Zuge dessen gaben die Kapitalmarktrenditen weiter deutlich nach. Hier ist in den kommenden Wochen nicht mit einer grundlegenden Trendwende und damit auch nicht mit einem signifikanten Anstieg der Hypothekenzinsen zu rechnen."

Während sich die Experten bei der kurzfristigen Einschätzung der Zinsentwicklung schwer tun - und von fallenden über gleichbleibenden bis hin zu steigenden Konditionen alles für möglich halten, geht die Mehrheit mittel- und langfristig von höheren Konditionen aus. So heißt es von der Postbank: "Wenn die Fed ihren im Dezember 2015 begonnenen Leitzinserhöhungszyklus im weiteren Jahresverlauf fortsetzt, dürfte der damit einhergehende Anstieg bei den US-Kapitalmarktrenditen aber auch zu höheren Renditen am deutschen Rentenmarkt führen. Zugleich sollte der Euro in diesem Fall gegenüber dem US-Dollar wieder deutlicher abwerten und damit zusätzlich (Erwartungs-)Druck von der EZB nehmen, ihre Geldpolitik noch expansiver zu gestalten. Die aktuellen geldpolitischen Maßnahmen, wie beispielsweise das noch bis mindestens März 2017 laufende Anleiheankaufprogramm, dürften aber einem kräftigeren Anstieg der langfristigen Zinsen auch weiterhin entgegenstehen." Auch andere Experten erwarten mittel- bis langfristig leicht steigende Zinsen. "Mittelfristig gehen wir von moderat steigenden Zinsen in längeren Laufzeiten aus. Dies liegt in erster Linie daran, dass der Markt die Rezessionsrisiken in den USA aktuell überzeichnet und weitere Zinserhöhungen für dieses und nächstes Jahr weitgehend ausgepreist hat. Wir sind optimistischer für die US-Konjunktur und glauben, dass der Markt den Umfang der Zinserhöhungen in den USA unterschätzt", verlautet es aus der Commerzbank. Ein Experte der Allianz fasst es so zusammen: "Der Konjunkturoptimismus ist verflogen, aber die Weltwirtschaft ist stabil und für Pessimismus gibt es keinen Anlass. Allerdings beunruhigt die Märkte, dass die Optionen der Notenbanken immer weniger werden." Teuer wird Baugeld jedoch auch in 2016 nicht werden. "Mittelfristig sollten die Zinsen bei einer Stabilisierung der Weltkonjunktur wieder anfangen zu steigen. Jeder Anstieg wird aber sehr verhalten ausfallen", beurteilt entsprechend die ING-DiBa die Lage.

Fazit

Die nächste Woche wird spannend. Bei ihrer Sitzung am 10. März wird die EZB mit ihren Ankündigungen zur weiteren Zinspolitik zeigen, wie sie die aktuelle Lage tatsächlich einschätzt. Bisher haben die Notenbanker keine Zweifel daran gelassen, weitere deutliche Maßnahmen zu ergreifen, um Konjunktur und Inflation in Gang zu bringen. Für Bauherren zeigt die Befragung der Experten: Kurzfristig bleiben die Zinsen günstig, wobei auch Schwankungen möglich sind. Langfristig jedoch glauben viele trotz der weltweiten Unwägbarkeiten an eine europäische Konjunkturwiederbelebung und steigende Zinsen.


Quelle: Interhyp

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